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Datum
05.08.2025

Finanzielle Unabhängigkeit ab 40 – Was ist ein Frugalist?

Wer finanzielle Freiheit früh im Leben erreichen will, setzt auf konsequenten Konsumverzicht und clevere Geldanlage – das Prinzip der Frugalisten. Wie das Modell funktioniert, warum es heutzutage relevanter denn je ist, und welche Learnings gerade junge Menschen aus Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie oder der Inflation mitnehmen können, erfährst du in diesem Ratgeber.

Finanzielle Unabhängigkeit ab 40 – Was ist ein Frugalist? / MLP Financify / Über 40-jähriger steht in Hawaii am Strand
(pixabay/Free-Photos)

Das Wichtigste in Kürze

  • Ziel sogenannter Frugalisten: Vermögen aufbauen, um finanziell unabhängig zu sein.
  • Der Begriff „frugal“ bedeutet "einfach" oder "bescheiden".
  • Durch extreme Sparmaßnahmen wird konsequent auf Konsum verzichtet.
  • Investiert wird meist in ETFs, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren

Was ist das Ziel von Frugalisten?

Frugalisten verfolgen ein klares Ziel: frühzeitig finanzielle Unabhängigkeit erreichen – idealerweise schon mit 40 oder 45 Jahren. Um das zu schaffen, leben sie bewusst minimalistisch und sparen oft 70 bis 80 Prozent ihres Einkommens. Der Trend, der ursprünglich aus der US-amerikanischen FIRE-Bewegung (Financial Independence, Retire Early) stammt, gewinnt auch in Deutschland seit Jahren an Bedeutung – vor allem unter jungen Berufstätigen und Digital Natives, die selbstbestimmter leben möchten.

„Frugal“ bedeutet „einfach“ oder „bescheiden“ – und genau danach gestalten Frugalisten ihren Alltag: Sie verzichten konsequent auf teure Konsumgüter, große Reisen oder kostenintensive Hobbys. Stattdessen investieren sie ihr Geld systematisch – z. B. in breit gestreute ETFs , um vom Zinseszinseffekt und langfristigen Kapitalwachstum zu profitieren. Ihr Ziel ist es, mit dem angesparten Vermögen so früh wie möglich ausschließlich von Kapitalerträgen leben zu können.

Obwohl der Lebensstil Disziplin erfordert, inspiriert er zunehmend Menschen, eigene Sparpotenziale zu erkennen und bewusster mit Geld umzugehen – nicht zuletzt auch durch Erfahrungen aus Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie oder der Inflation , die das Bedürfnis nach finanzieller Resilienz verstärkt haben.

Was kann jeder von Frugalisten lernen?

Früh sparen, clever investieren und bewusster konsumieren – das ist die Essenz des Frugalismus. Selbst ohne Extremverzicht lässt sich einiges vom Lebensstil der Frugalisten übernehmen, um langfristig Vermögen aufzubauen und finanziell unabhängiger zu leben.

  • Früh starten zahlt sich aus: Wer schon mit kleinen Beträgen – etwa 50 oder 100 Euro im Monat – beginnt, regelmäßig in den Kapitalmarkt zu investieren, profitiert langfristig vom Zinseszinseffekt. Gerade in Zeiten anhaltender Inflation und schwankender Zinsen bleibt die Anlage in breit gestreute ETFs oder Fonds eine sinnvolle Strategie. Viele Frugalisten setzen auf einfache Weltportfolios (z. B. MSCI World + Emerging Markets), um kostengünstig und renditestark anzulegen.
  • Konsumverhalten reflektieren: Spätestens seit den Pandemie-Jahren hinterfragen viele Menschen ihren Konsum. Brauche ich wirklich jedes neue Gadget? Ist Online-Shopping aus Langeweile sinnvoll? Ein digitales Haushaltsbuch oder Budgeting-App (z. B. Finanzguru oder MoneyControl) hilft, Einnahmen und Ausgaben transparent zu machen – und Sparpotenziale aufzudecken.
  • Lebensstandard mit Bedacht steigern: Besonders für Berufseinsteiger:innen gilt: Wer aus der Studentenzeit einen sparsamen Umgang mit Geld gewohnt ist, sollte diesen Mindset nicht gleich mit dem ersten Gehalt über Bord werfen. Statt sofort in eine größere Wohnung mit teurer Einrichtung zu ziehen oder ein Auto zu kaufen, lohnt sich ein langsamer Lebensstandardaufbau. So bleibt mehr Geld für den Vermögensaufbau .
  • Investieren statt konsumieren: Wer ab Mitte 20 konsequent 400 bis 500 Euro monatlich in ein gut diversifiziertes Depot steckt, kann sich – je nach Marktentwicklung – mit Mitte 40 ein finanzielles Polster aufbauen, das Freiheit und Optionen schafft. Auch wenn ein kompletter Frühruhestand nicht für alle realistisch ist, bringt ein solches Vermögen Sicherheit und Flexibilität.

Was muss ich steuerlich beachten?

Wer wie Frugalisten langfristig Vermögen aufbaut, sollte auch steuerliche Aspekte im Blick behalten. Kapitalerträge aus ETFs, Fonds oder Aktien unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer. Pro Jahr bleiben allerdings Erträge bis zu 1.000 Euro (bei Einzelpersonen) bzw. 2.000 Euro (bei Verheirateten) dank Sparer-Pauschbetrag steuerfrei – sofern ein Freistellungsauftrag bei der Bank hinterlegt wurde.

Gut zu wissen: Bei ETFs greift in der Regel die sogenannte Vorabpauschale – eine fiktive Besteuerung, auch wenn keine Ausschüttung erfolgt. Viele Frugalisten achten daher auf eine clevere Fonds- und Depotstruktur, um unnötige Steuerabzüge zu vermeiden. Wer größere Beträge investiert oder über einen langen Zeitraum spart, sollte sich professionell beraten lassen – etwa zu Strategien rund um Steuerfreibeträge, Rebalancing oder Entnahmeplänen im Ruhestand.

Fazit: Finanzielle Unabhängigkeit beginnt mit klugen Entscheidungen

Frugalismus ist mehr als nur Sparsamkeit – es ist ein bewusst gewählter Lebensstil, der langfristige Ziele über kurzfristigen Konsum stellt. Wer früh anfängt zu sparen, klug investiert und seinen Lebensstandard reflektiert steigert, kann auch ohne Extremverzicht viel erreichen. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit gewinnt das Konzept an Relevanz. Es zeigt, wie man mit Disziplin, Weitblick und einem klaren Plan Schritt für Schritt zur finanziellen Unabhängigkeit gelangt – und dabei mehr Freiheit im Leben gewinnt.

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