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Datum
19.11.2025

Studium abbrechen, wechseln oder durchziehen?

Viele Studierende merken irgendwann während des Semesters, dass das Studium anders läuft, als sie es sich vorgestellt haben. Die Inhalte interessieren weniger als gedacht, die Universität passt nicht oder die Motivation fehlt völlig. Wenn du darüber nachdenkst, dein Studium abzubrechen, das Studium zu wechseln oder das Studium durchzuziehen, solltest du dir vorher alle Optionen genau ansehen. Denn neben der Option das Studium abzubrechen können auch ein Wechsel oder ein Neustart sinnvoll sein – während es sich in manchen Fällen lohnt, dranzubleiben und das Studium mit neuem Fokus fortzuführen. In diesem Artikel erfährst du, welcher Weg am besten zu deiner aktuellen Situation passt.

Studium abbrechen / MLP Financify / Gestresste Studentin am Laptop als Symbol für Überforderung im Studium.
(GettyImages / SolStock)

Das Wichtigste in Kürze

  • Motivations- und Leistungsprobleme, Prüfungsangst, berufliche Umorientierung und finanzielle Schwierigkeiten sind häufige Gründe das Studium abzubrechen.
  • Bevor es zu einer unüberlegten Kurzschlussreaktion kommt, sollten Studierende sich über die Folgen eines Studienabbruchs und mögliche Alternativen informieren.
  • Oftmals ist es sinnvoller, das Studium doch durchzuziehen oder den Studiengang bzw. die Hochschule zu wechseln, statt das Studium abzubrechen.
  • Ein Wechsel des Studiengangs an der gleichen Hochschule gestaltet sich oftmals einfach und hat in der Regel keine Auswirkungen auf das BAföG.

Warum brechen Studierende ihr Studium ab?

Während sich immer mehr junge Menschen für ein Studium entscheiden, steigt gleichzeitig auch die Zahl derjenigen, die ihr Studium abbrechen. Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) liegt die Abbruchquote im Bachelorstudium weiterhin bei rund einem Viertel. Die Gründe dafür sind vielfältig und oft persönlich.

Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • Motivationsverlust oder fehlende Studienzufriedenheit
  • Überforderung durch Prüfungen oder Leistungsdruck
  • Unklare Studienstruktur oder unpassende Lernbedingungen
  • Finanzielle Engpässe und steigende Lebenshaltungskosten
  • Psychische Belastung, Stress oder Krankheit
  • Berufliche Neuorientierung oder Zweifel an der Studienwahl

Hinzu kommen neue Herausforderungen: Der Einfluss von KI und digitalen Lernformaten hat das Studium zwar flexibler, aber auch anspruchsvoller gemacht. Viele Studierende fühlen sich zunehmend isoliert oder orientierungslos.

Ein Studium abzubrechen ist selten eine spontane Entscheidung. Oft gehen ihr längere Phasen von Unsicherheit, Druck oder Unzufriedenheit voraus. Auch die Sorge, Familie oder Freunde zu enttäuschen, spielt eine Rolle. Wichtig ist, dieses Gefühl ernst zu nehmen und sich rechtzeitig Unterstützung zu holen.

Studium abbrechen / MLP Financify / Infografik über die Möglichkeiten

Wann lohnt es sich, das Studium durchzuziehen?

Ein Studium abzubrechen ist ein großer Schritt und sollte wohlüberlegt sein. Bevor du eine Entscheidung triffst, lohnt es sich, deine Situation genau zu analysieren. Die folgenden Fragen können dir dabei helfen, Klarheit zu gewinnen:

  • Hast du noch Interesse am Studium?
  • Gibt es noch spannende Inhalte, die dich motivieren?
  • Fallen dir nur einzelne Inhalte oder das gesamte Studienthema schwer?
  • Stehen derzeit viele Arbeiten und Klausuren an?
  • Hast du Ideen, wie du das Studium wieder interessanter gestalten könntest?
  • Wäre ein Wechsel des Studienfachs an deiner Hochschule möglich und welche Alternativen kämen infrage?
  • Setzt du dich selbst unter Druck?
  • Fühlst du dich grundsätzlich gut aufgehoben an der Hochschule?
  • Könnte ein Wechsel deines Studienplatzes eine Option sein?
  • Welche Pläne hast du für deine berufliche Zukunft und passen sie zu deinem aktuellen Studiengang?

Wenn du auf viele dieser Fragen keine klaren Antworten findest, ist es völlig normal, wenn du Unterstützung suchst. Sprich mit deiner Familie und deinem Freundeskreis, aber auch mit der Studienberatung, Mentoren oder Fachschaften. Sie können dir dabei helfen, Perspektiven zu erkennen und mögliche Schritte zu planen. Vergiss aber nicht: Die Entscheidung liegt letztlich bei dir.

Studiengang wechseln: Was du beachten solltest

Wenn ein Studienabbruch für dich keine Option ist, kann es eine sinnvolle Alternative sein den Studiengang, das Fach oder den Studienplatz zu wechseln. Grundsätzlich sind Wechsel heute meist problemlos möglich, allerdings gibt es an manchen Hochschulen Regelungen, die häufige Wechsel einschränken. Wenn du in einen anderen Fachbereich wechseln möchtest, solltest du dies möglichst frühzeitig tun, damit du keine wertvolle Zeit verlierst.

BAföG beim Studiengangwechsel

Ein Vorteil wenn du den Studiengang wechselst ist, dass du in der Regel weiterhin BAföG erhältst, da es sich um ein Erststudium handelt. Wenn du den Fachbereich wechselst, handelt es sich um ein Zweitstudium, für das du in der Regel keine Förderung erhältst.

Die Bedingungen für BAföG bei einem Studiengangwechsel sind:

  • Bei einem Wechsel im ersten Jahr wird BAföG normalerweise bis zum Ende der Regelstudienzeit weitergezahlt. Gründe müssen nicht genannt werden, eine Exmatrikulationsbescheinigung reicht aus.
  • Bei einem Wechsel am Ende des dritten Semesters sind zusätzlich Gründe zu nennen.
  • Bei einem Wechsel ab dem vierten Semester  müssen unabweisbare Gründe, also zwingende Umstände wie beispielsweise eine Krankheit, vorliegen.

Wichtig: Mehrere Wechsel können die BAföG-Förderung einschränken, da Semester abgezogen werden. Plane daher deinen Wechsel frühzeitig und informiere dich genau bei deinem BAföG-Amt.

Studiengang oder Hochschule wechseln?

Möchtest du den Studiengang an derselben Hochschule wechseln, ist das meist unkompliziert. In der Regel ist keine Exmatrikulation nötig und bereits erbrachte Studienleistungen können angerechnet werden.

Planst du hingegen einen Wechsel zu einer anderen Hochschule, solltest du dich frühzeitig über Zulassungsbeschränkungen, Fristen und Studieninhalte informieren. Wenn du sowohl den Studiengang als auch die Hochschule wechselst, beginnst du in der Regel wieder im ersten Fachsemester und bisher erbrachte Module oder Leistungen können meist nicht angerechnet werden.

Studium abbrechen: Und dann?

Hast du dich endgültig entschieden, dein Studium zu beenden, ist der nächste Schritt die ordnungsgemäße Exmatrikulation an deiner Hochschule. Nur so erhältst du eine offizielle Bescheinigung über deine bisherige Studienzeit. Das ist wichtig für die Rentenversicherung, Krankenkassen und gegebenenfalls für spätere Bewerbungen.

Falls du BAföG erhalten hast, solltest du dein zuständiges Amt frühzeitig informieren.

Nach dem Abbruch des Studiums stehen dir viele Wege offen: Du kannst eine Ausbildung nachholen, einen Quereinstieg in ein Unternehmen wagen oder ein duales Studium aufnehmen.

Wichtig ist: Das Studium abzubrechen ist kein Scheitern, sondern ein Neuanfang. Viele erfolgreiche Karrierewege verlaufen nicht gerade. Entscheidend ist, dass du deinen nächsten Schritt bewusst planst und dich beraten lässt, bevor du loslegst.

Eine Ausbildung beginnen

Nachdem du dein Studium abgebrochen hast, kannst du eine Ausbildung nachholen . Häufig erhältst du dabei Unterstützung von der Agentur für Arbeit, der IHK oder privaten Bildungsträgern. Das Gute dabei ist: Unter Umständen können dir Studienleistungen angerechnet werden, sodass sich deine Ausbildungszeit verkürzt.

Den Quereinstieg wagen

Ein Quereinstieg in ein Unternehmen kann nach einem Studienabbruch eine attraktive Möglichkeit sein, vor allem in Zeiten des anhaltenden Fachkräftemangels. Besonders in Branchen wie IT, Marketing, Vertrieb, Pflege oder Handwerk stehen die Chancen für Quereinsteiger gut. Du solltest jedoch bedenken, dass ein Studienabschluss langfristig Vorteile beim Einstiegsgehalt und bei Aufstiegsmöglichkeiten bietet.

Ein duales Studium starten

Wenn ein Vollzeitstudium aus finanziellen oder persönlichen Gründen schwierig ist, kann ein duales Studium eine sehr attraktive Alternative sein. Dabei kombinierst du die theoretische Ausbildung an einer Hochschule mit praktischer Arbeit in einem Unternehmen und verdienst gleichzeitig ein eigenes Gehalt.

Fazit: Studium nicht voreilig abbrechen und alle Möglichkeiten prüfen

Ein Studienabbruch ist kein Weltuntergang, sollte aber wohlüberlegt sein. Bevor du eine endgültige Entscheidung triffst, lohnt es sich, alle Möglichkeiten zu prüfen. Wenn das Studienfach oder die Hochschule nicht passen, können ein Wechsel des Studiengangs oder der Hochschule attraktive Alternativen sein. Manchmal lohnt es sich aber auch, das Studium durchzuziehen. Überlege, welche Unterstützung, Anpassung oder Strategie du benötigst, um die restliche Studienzeit erfolgreich zu meistern. Dabei können Studienberatung oder Fachschaften wertvolle Tipps geben und dir helfen, Motivation und Orientierung zurückzugewinnen.

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