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Datum
10.02.2026

Wie absolviere ich erfolgreich das Jura-Referendariat?

Das theoretische Studium ist geschafft – jetzt beginnt die Praxis. Im Jura-Referendariat sammelst du rund zwei Jahre lang wertvolle Berufserfahrung in verschiedenen Stationen. Hier erfährst du alles, was du zu Bewerbung, Standortwahl, Wartezeiten, Unterhaltsbeihilfe und dem Ablauf 2026 wissen musst.

Jura-Referendariat / MLP Financify / Selbstbewusste Referendarin im modernen Büro
(GettyImages / SDI Productions)

Das Wichtigste in Kürze

  • Dauer & Aufbau: Das Jura-Referendariat dauert bundesweit 24 Monate und gliedert sich in fünf Pflichtstationen – von der Zivilstation bis zur Wahlstation. Je nach Bundesland unterscheiden sich Wartezeiten, Vergütung und Organisation.
  • Bewerbung: Die Bewerbung für das Rechtsreferendariat erfolgt fast überall digital über die Portale der Oberlandesgerichte. Zentrales Dokument ist das Examenszeugnis; die Bewerbungsfristen liegen in der Regel zwei bis sechs Monate vor dem Einstellungstermin.
  • Vergütung: Die Unterhaltsbeihilfe liegt je nach Bundesland zwischen rund 1.380 und 1.800 Euro brutto pro Monat. Familien- und Kinderzuschläge können den Betrag erhöhen.
  • Versicherung: Da Referendarinnen und Referendare in den meisten Bundesländern keinen vollen Beamtenstatus mehr haben, ist eine frühzeitige Klärung von Krankenversicherung (PKV oder GKV), Berufsunfähigkeitsversicherung und Anwartschaftsversicherung wichtig.

Wo möchte ich das Jura-Referendariat starten?

Bevor du deine Bewerbung abschickst, solltest du entscheiden, in welchem Bundesland und damit in welchem Oberlandesgerichtsbezirk (OLG) du dein Referendariat absolvieren möchtest. Je nach Bezirk unterscheiden sich die Wartezeiten, die Höhe der Unterhaltsbeihilfe und der Ablauf der Ausbildungsstationen erheblich – ein Bundesländer-Vergleich lohnt sich also.

Ein OLG-Bezirk umfasst häufig mehrere Städte, weshalb du unter Umständen in einem kleineren Ort landen kannst, obwohl du dich für ein großes Gericht beworben hast. Prüfe vorab, wie gut die Region angebunden ist und ob du ein Auto benötigst.

Unser Tipp: Online-Bewerbungsverfahren sind mittlerweile Standard. Halte deine Unterlagen deshalb digital bereit, da die meisten OLG Bewerbungen nur noch über Online-Portale annehmen. Einige Gerichte arbeiten inzwischen auch mit der E-Akte, was bereits im Referendariat relevant werden kann.

Gibt es beim Jura-Referendariat Wartezeiten?

Auch die Wartezeit für das Referendariat unterscheidet sich zwischen den Bundesländern. In vielen Regionen sind sie zuletzt gesunken, da die Justiz verstärkt Nachwuchs sucht. In einigen Bundesländern – gerade in Berlin – kann es jedoch weiterhin zu Wartezeiten von mehreren Monaten kommen. In Ländern wie Hessen, Hamburg, NRW oder Bayern gibt es häufig gar keine oder nur sehr kurze Wartezeiten 2026.

Einige Oberlandesgerichte vergeben Warteprivilegien, etwa bei sehr guten Examensnoten, familiären Bindungen oder sozialen Gründen. Viele OLG veröffentlichen mittlerweile Einstellungsstatistiken, um Bewerbenden mehr Planungssicherheit zu geben. Informiere dich frühzeitig auf der Website des jeweiligen Justizprüfungsamts (JPA) oder OLG über aktuelle Zahlen.

Wann kann das Jura-Referendariat begonnen werden?

Das Jura-Referendariat kann nur zu festen Einstellungsterminen begonnen werden, die jedes Bundesland individuell festlegt. In der Regel erfolgen die Starts alle zwei bis drei Monate in einem regelmäßigen Rhythmus. Die konkreten Startmonate werden von den OLG auf ihren Webseiten veröffentlicht.

Ein typisches Beispiel ist Schleswig-Holstein, wo alle zwei Monate neue Referendariate beginnen. Die zugehörigen Arbeitsgemeinschaften starten jeweils im Februar, April, Juni, August, Oktober oder Dezember an unterschiedlichen Standorten. Viele andere Bundesländer folgen einem vergleichbaren zwei- oder dreimonatigen System.

Wichtig: Die Bewerbungsfristen liegen deutlich früher. Häufig müssen die Unterlagen bereits zwei bis sechs Monate vor dem gewünschten Starttermin eingereicht werden. Wer die Frist verpasst, wird automatisch dem nächsten späteren Termin zugeordnet.

Wie lange dauert das Jura-Referendariat?

Das Rechtsreferendariat dauert bundesweit einheitlich 24 Monate. Innerhalb dieser zwei Jahre durchläufst du mehrere Stationen, die jeweils mit einem Einführungslehrgang beginnen. Parallel nimmst du an Arbeitsgemeinschaften (AGs) teil, in denen du Fälle bearbeitest, prozessuale Kenntnisse vertiefst und das praktische Arbeiten im juristischen Alltag trainierst – etwa den Aktenvortrag oder die Arbeit mit der E-Akte.

Die praktische Ausbildung findet je nach Station direkt bei Richterinnen und Richtern, in Verwaltungsbehörden oder in Anwaltskanzleien statt. Am Ende des Referendariats folgt das Zweite Staatsexamen, das aus einem umfangreichen schriftlichen Teil und einer mündlichen Prüfung besteht. Obwohl die Gesamtdauer überall gleich ist, können Länge und Struktur der einzelnen Stationen je nach Bundesland geringfügig variieren.

Tipp: Viele Referendarinnen und Referendare besuchen parallel einen Klausurenkurs, um sich gezielt auf die Examensklausuren vorzubereiten. Einige Bundesländer bieten zudem einen Ergänzungsvorbereitungsdienst an, der die Examensvorbereitung institutionell unterstützt.

Welche Stationen werden im Jura-Referendariat durchlaufen?

Die Reihenfolge der Stationen im Referendariat ist in allen Bundesländern ähnlich, wobei die jeweiligen Landesregelungen zu beachten sind. Der typische Ablauf sieht folgendermaßen aus:

Die Zivilstation ist in der Regel die erste Station. Du arbeitest bei einer Richterin oder einem Richter am Amts- oder Landgericht und lernst, Urteile zu entwerfen, Akten zu bearbeiten und mündliche Verhandlungen zu beobachten. Der Fokus liegt auf dem materiellen und prozessualen Zivilrecht.

In der Strafstation sitzt du bei der Staatsanwaltschaft oder bei einem Strafgericht. Du entwirfst Anklageschriften, nimmst an Hauptverhandlungen teil und lernst das Strafprozessrecht in der Praxis kennen.

Die Verwaltungsstation absolvierst du bei einer Behörde oder einem Verwaltungsgericht. Hier geht es um öffentliches Recht – von Baugenehmigungen bis hin zu sozialrechtlichen Fragen.

Die Anwaltsstation ist die längste und wird häufig als wichtigste Station empfunden. Du arbeitest in einer Kanzlei und übernimmst eigenständig Mandate, Schriftsätze und Mandantengespräche. Viele nutzen diese Zeit, um sich in einem Rechtsgebiet zu spezialisieren – etwa Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht oder Legal Tech.

In der Wahlstation kannst du frei wählen, wo du arbeitest: Kanzlei, Unternehmen, Behörde oder sogar im Ausland – beispielsweise bei EU-Institutionen, Botschaften oder internationalen Kanzleien. Viele OLG unterstützen eine Wahlstation im Ausland organisatorisch inzwischen deutlich stärker als früher.

Zwischen der Anwaltsstation und der Wahlstation finden die schriftlichen Examensklausuren statt, die mündliche Prüfung folgt nach der Wahlstation. Damit schließt du dein Zweites Staatsexamen ab und wirst Volljuristin oder Volljurist.

Bewerbung für das Jura-Referendariat

Für die Bewerbung zum Rechtsreferendariat gelten in ganz Deutschland klare Voraussetzungen. Bewerben kann sich nur, wer den universitären Schwerpunkt vollständig abgeschlossen und die erste juristische Prüfung erfolgreich bestanden hat. Das zentrale Dokument ist stets das Examenszeugnis.

Je nach Bundesland sind weitere Unterlagen erforderlich. Häufig sind dies eine beglaubigte Kopie des Examens, ein tabellarischer Lebenslauf, die Geburtsurkunde sowie aktuelle Lichtbilder. Viele OLG verlangen zudem ein Führungszeugnis und gegebenenfalls eine Heiratsurkunde oder Geburtsurkunden der eigenen Kinder.

Da sich fast alle Oberlandesgerichte auf digitale Bewerbungsverfahren umgestellt haben, müssen die Unterlagen über Online-Portale hochgeladen werden. Originaldokumente müssen in der Regel erst zum Einstellungstermin vorgelegt werden.

Einige Bundesländer regulieren die Zahl der Bewerbenden pro Einstellungstermin. Dabei können Kriterien wie die Examensnote, ein regionaler Bezug oder ein internes Wartepunktesystem eine Rolle spielen. Informiere dich frühzeitig beim zuständigen Justizprüfungsamt (JPA) über die genauen Anforderungen in deinem Wunsch-Bundesland.

Wird das Jura-Referendariat vergütet?

Im Rechtsreferendariat erhältst du eine Unterhaltsbeihilfe – kein reguläres Gehalt. Diese Beihilfe soll deinen Lebensunterhalt sichern, damit du dich auf die Ausbildung konzentrieren kannst, ohne einer vollwertigen Erwerbstätigkeit nachgehen zu müssen.

Die Höhe der Unterhaltsbeihilfe wurde in den letzten Jahren mehrfach angepasst und liegt derzeit zwischen rund 1.380 und 1.800 Euro brutto pro Monat. In einigen Ländern kommen zusätzlich Familien- oder Kinderzuschläge hinzu. Ein Bundesländer-Vergleich zeigt: Die Unterschiede sind beträchtlich – ein Wechsel des Ausbildungsorts kann sich finanziell lohnen.

Da Referendarinnen und Referendare heute in fast allen Bundesländern keinen vollen Beamtenstatus mehr besitzen (Ausnahme: teilweise Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen), fallen Abzüge für Lohnsteuer, Pflege- und Krankenversicherung sowie Arbeitslosenversicherung an. Von der Rentenversicherungspflicht bist du im Referendariat weiterhin befreit.

Nebentätigkeiten: Dein Zusatzeinkommen kann auf die Unterhaltsbeihilfe angerechnet werden. Die genaue Freigrenze unterscheidet sich von Land zu Land. In NRW beispielsweise wird ein Nebenverdienst erst berücksichtigt, wenn er eine bestimmte Freigrenze überschreitet (Unterhaltsbeihilfe plus Zuschläge × Faktor 1,5).

Unterhaltsbeihilfe nach Bundesland (Tabelle)

Bundesland Unterhaltsbeihilfe (brutto/Monat)
Sachsen 1.795,10 €
Thüringen 1.782,92 €
Hessen 1.763,42 €
Brandenburg 1.673,26 €
Bayern 1.652,08 €
Berlin 1.637,52 €
Hamburg 1.583,07 €
Rheinland-Pfalz 1.564,86 €
Baden-Württemberg 1.552,51 €
Mecklenburg-Vorpommern 1.552,50 € *
Niedersachsen 1.531,73 €
Sachsen-Anhalt 1.511,75 €
Nordrhein-Westfalen 1.475,17 €
Schleswig-Holstein 1.444,79 €
Saarland 1.431,60 €
Bremen 1.383,61 €

* In Mecklenburg-Vorpommern variiert der Betrag je nach Ausbildungsverhältnis (Beamtenstatus auf Widerruf vs. öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis).

Fazit: Gute Grundlage für das Jura-Referendariat schaffen

Eine gute Vorbereitung auf das Jura-Referendariat lohnt sich: Je nach Bundesland unterscheiden sich Wartezeiten, Vergütung, Abläufe und Stationen teils deutlich. Wer sich frühzeitig informiert, die erforderlichen Unterlagen vorbereitet und den passenden Oberlandesgerichtsbezirk wählt, startet entspannt in die Ausbildung.

Neben der juristischen Vorbereitung lohnt es sich auch, die eigene finanzielle Situation und den Versicherungsschutz rechtzeitig zu klären. So schaffst du die besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Zweites Staatsexamen und den Berufseinstieg als Volljuristin oder Volljurist.

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