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Datum
23.06.2021

Unternehmensgründung neben Festanstellung: Tipps für die Planung

Ein eigenes Unternehmen zu gründen ist der Traum von vielen Berufstätigen. Doch wie ist es eigentlich, sich parallel zum festen Job selbstständig zu machen? Die rechtzeitige Information des Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin und die Anmeldung bei der Krankenkasse und dem Finanzamt sind wichtige erste Schritte. Wir verraten, worauf es ankommt und welche Vorteile die nebenberufliche Existenzgründung mit sich bringen kann!

Gründen
(GettyImages/Luis Alvarez)

Das Wichtigste in Kürze

  • Nebenberufliche Gründungen können Weichen für das eigene Unternehmen stellen.
  • Selbstständige Nebentätigkeit muss dem Management gemeldet werden.
  • Ablehnung ist möglich, wenn z. B. die Arbeitsleistung im Hauptberuf leidet.
  • Rund um Krankenkasse, Steuer und Anmeldung der neuen Firma gibt es einige Dinge zu beachten.
  • Vorteil: Geringeres Risiko der Pleite durch nebenberufliche Gründung.
  • Nachteil: Balance zwischen Arbeit, Freizeit und Gesundheit ist oft schwierig zu finden.

Erste Schritte für die Selbstständigkeit

Nicht jede selbstständige Tätigkeit beginnt mit einem 24/7-Einsatz. Stattdessen entscheiden sich viele Berufstätige dafür, die eigene Firma neben dem bisherigen Job zu gründen. Es braucht eine gute Geschäftsidee, ein bisschen Mut und die richtige Planung, um die Weichen für die künftige Selbstständigkeit zu stellen. Schon wenige Stunden Einsatz in der Woche reichen aber in vielen Fällen aus, damit die Basis für ein neues Unternehmen geschaffen werden kann.

Der erste Schritt sollte die Information des Managements sein: Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen müssen nebenberufliche Tätigkeiten und somit auch Existenzgründungen melden. In der Regel stellt dies keine Schwierigkeit dar; lediglich dann, wenn die Arbeitsleistung im Hauptberuf leidet oder das neu gegründete Unternehmen eine Konkurrenz darstellt, kann die Chefin oder der Chef die Existenzgründung verbieten. Außerdem darf weder an Urlaubstagen für die Selbstständigkeit gearbeitet noch die tägliche Arbeitszeit von acht Stunden überschritten werden.

Wichtige Anmeldungen für Gründer und Gründerinnen

Anschließend geht es an die Meldung bei der Krankenkasse und beim Finanzamt. Die Krankenversicherung prüft nach der Information über die nebenberufliche Existenzgründung, welche Tätigkeit die Haupteinkommensquelle markiert. Ist es das bisherige Arbeitsverhältnis, bleibt der zu zahlende Versicherungsbeitrag gleich. Wird jedoch die Selbstständigkeit höher gewertet, erfordert dies die eigene Versicherung von Existenzgründerinnen und Existenzgründern. Das zieht höhere Beiträge für die Krankenkasse nach sich.

Beim Finanzamt erfolgt entweder eine Gewerbeanmeldung oder die Anmeldung einer freiberuflichen Tätigkeit. Letztere entbindet zwar von der Pflicht, die Gewerbesteuer zu zahlen, ist aber im Einkommenssteuergesetz klar definiert. So sind nur bestimmte Tätigkeiten freiberuflich zu werten, darunter etwa künstlerische Berufe oder Jobs als Architekt und Architektin. Viele andere erfordern die Gewerbeanmeldung, die über das Gewerbeamt abgewickelt wird. In jedem Fall müssen Gründer und Gründerinnen für die Selbstständigkeit eine Steuernummer beantragen.

Steuerliche Fragen bei Selbstständigkeit

Viele Existenzgründungen fallen in die Gruppe der Kleinunternehmen, die bis 22.000 Euro (vor 2020: 17.500 Euro) Umsatz im Jahr keine Umsatzsteuer berechnen und abführen müssen. Das bringt den Vorteil, dass die sonst mehrmals im Jahr erforderliche Umsatzsteuervoranmeldung entfällt. Es ist aber möglich, trotzdem die Umsatzsteuer zu berechnen: Wenn viele Eigenanschaffungen für das Unternehmen notwendig sind, kann dies kostentechnisch Vorteile bringen. Außerdem geht aus Rechnungen ohne Umsatzsteuer auf den ersten Blick hervor, dass es sich um einen Kleinunternehmer oder eine Kleinunternehmerin handelt – das möchten viele Gründer und Gründerinnen vermeiden.

In puncto Lohnsteuer gilt: Sowohl die Einnahmen aus dem bisherigen Beruf als auch jene aus dem neuen Unternehmen werden gemeinsam versteuert – lediglich auf verschiedenen Formularen.

Vor- und Nachteile der Gründung bei Festanstellung

Der größte Vorteil einer Gründung neben dem Hauptberuf ist das geringere Risiko: Gründer und Gründerinnen können Geschäftsideen verwirklichen, ohne befürchten zu müssen, dass sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Immerhin bleibt das Einkommen des Hauptverdienstes bestehen. So kann in aller Ruhe getestet werden, ob die Idee des neuen Unternehmens fruchtet, da die Haupteinnahmequelle in jedem Fall gesichert ist. Der zeitliche Druck, die neue Firma schnell zum Erfolg zu führen, entfällt ebenfalls. Auch das nötige Startkapital ist meist ohne zusätzliche Unterstützung vorhanden. Entpuppt sich die Idee als Erfolg, winkt außerdem mehr Geld auf dem Konto.

Ein großer Nachteil kann hingegen sein, die Balance zwischen Arbeit, Freizeit und Gesundheit (Work-Life-Balance) zu finden. Viele Gründer und Gründerinnen schaffen es trotz guter Planung nicht, die Selbstständigkeit in der Freizeit umzusetzen und verschieben somit das Gleichgewicht zuungunsten der Ruhepausen. Mehr Arbeit, weniger Zeit für sich selbst und gesundheitliche Probleme durch zu viel Stress können die Folge sein. Auch sollte jeder Gründerin und jedem Gründer klar sein, dass sich eine Existenzgründung nicht immer auszahlt. Viele Ideen verlaufen im Sand, andere lohnen sich schon aufgrund der höheren Krankenversicherungsbeiträge auf finanzieller Ebene nicht. Hier gilt es abzuwägen, ob die Existenzgründung auch ohne die Aussicht auf mehr Geld sinnvoll ist – zum Beispiel, weil es sich um eine echte Herzensangelegenheit handelt.

Fazit: Chancen durch nebenberufliche Gründung

Wer eine Geschäftsidee im Kopf hat, die er oder sie schon immer verwirklichen wollte, ist mit der nebenberuflichen Selbstständigkeit gut beraten. Auf diese Weise ist der Lebensunterhalt gesichert und es besteht dennoch eine reelle Chance für ein erfolgreiches Neu-Unternehmen. Gründer und Gründerinnen sollten jedoch unbedingt darauf achten, dass sie sich nicht überfordern und die Work-Life-Balance ausgeglichen ist.

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