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Studentenjob Kellnern: Zum Arbeiten in die Kneipe gehen

Kellnern gilt als beliebter Job unter Studenten. Hier erfährst du, für wen sich die Arbeit in Kneipe oder Café eignet und was du dabei beachten solltest.

Für Schnellleser:

  • Kellnern bietet Flexibilität und Flirtchancen.
  • Die Bereitschaft zur Arbeit an Wochenenden und den späten Abendstunden sollte vorhanden sein.
  • Der Job ist eher etwas für stressresistente Menschen.
  • Teilweise muss auch ordentlich zugepackt werden, die Arbeit in Kneipe oder Café kann körperlich richtig anstrengend werden.
  • Der Mindestlohn von 8,50 € ist dir sicher. Einige Gastronomen zahlen auch mehr - das Trinkgeld kommt noch dazu und ist in der Regel steuerfrei.
  • Die Abrechnung ist einfach, denn als Minijobber erledigt der Arbeitgeber die Formalitäten.

Job-Steckbrief

Der Kunde ist König, launige Gäste dürfen dich nicht aus der Fassung bringen. Servicepersonal in der Gastronomie wird einiges an Stressresistenz abverlangt. Nicht nur Gäste können manchmal anstrengend sein: Im Alltagsstress ist gern auch mal der Ton unter Kollegen etwas schärfer - darüber reden und sich wieder vertragen sind das A und O für eine gute Zusammenarbeit. Es soll ja auch Spaß machen, schließlich ermöglicht dir ein Job als Bedienung den täglichen Umgang mit neuen Menschen und schafft so schnell Distanz zum Alltag des Studiums.

Auch ein Mindestmaß an Fitness kann nicht schaden: Beim Slalom mit dem voll beladenen Tablett um Tische oder Bierbänke mußt du Kondition und Muskelkraft beweisen. Achtung: Vorher Kopfrechnen üben, denn wer dem Gast zu viel rausgibt muss die Differenz aus seinem Trinkgeld zahlen.

Für wen geeignet

Du bist offen für Neues, kommunikativ und das Öffnen einer Flasche stellt für dich keine Hürde dar? Dann könnte Kellnern genau das Richtige für dich sein. Du solltest dich aber fragen: Kann ich einen kühlen Kopf bewahren, wenn ein Essen aus der Küche nicht rechtzeitig kommt und der Gast deshalb meckert, ein anderer unbedingt bezahlen will und der nächste im gleichen Moment sofort bestellen möchte?

Wenn du dir jetzt nicht sicher bist, ob der Dauerlauf mit Tablett und Gläsern deinem Talent entspricht: Teste es einfach aus und frage nach, ob du ein paar Tage auf Probe arbeiten kannst.

Verdienstmöglichkeit

Auch eine Kellnertätigkeit fällt unter den Mindestlohn von 8,50 Euro. Manche Gastronomen zahlen sogar etwas mehr. Allgemein üblich ist in Deutschland ein Trinkgeld von fünf bis zehn Prozent des Rechnungsbetrags, das du aber nicht immer komplett selbst behalten darfst. Denn in vielen Betrieben gibt es das sogenannte Tronc-System, also eine gemeinsame Trinkgeldkasse. Das heißt, nach einem intern abgemachten Schlüssel bekommen auch Koch und andere Mitarbeiter ohne direkten Kontakt zu den Gästen ihren Anteil vom Trinkgeld ab.

Grundsätzlich gilt: Je stressiger das Umfeld, desto mehr Trinkgeld kannst du erwarten; in einer Bar gibt es meist mehr als in einem Café. Wie viel Trinkgeld letztendlich möglich ist, erfragst du am besten direkt beim Vorstellungsgespräch oder spätestens beim Probearbeiten.

Vereinbarkeit mit dem Studium

Der größte Vorteil besteht in der Flexibilität: Während des Semesters und zu Prüfungsphasen arbeitest du etwas weniger und wenn du mehr Zeit hast, schiebst du dafür ein paar Schichten zusätzlich. Gastronomen lassen oft viele Freiheiten und richten die Schichtpläne nach Verfügbarkeit der Kräfte aus. Genauso wird aber auch erwartet, dass die Aushilfen kurzfristig einspringen, wenn es mal brennt. Einen sonnigen Sonntag verbringst du dann zwar auch im Biergarten, nur eben nicht als Gast! Im Schnitt solltest du mindestens zweimal in der Woche Zeit haben – auch an den Wochenenden.

Eine Kellnerstelle, bei der du nur einmal in der Woche arbeiten musst, ist also eher die Ausnahme als die Regel. Wenn du von Montag bis Freitag von acht Uhr morgens bis 18 Uhr abends in der Uni büffelst, wäre Kellnern eher nichts für dich. Aber schon ab einem freien Nachmittag unter der Woche kommt ein Job in der Gastronomie in Frage.

Schichten dauern in der Regel ab sieben Stunden, meistens mit offenem Ende. In Bars dauern Schichten durchaus bis zwei Uhr nachts oder länger. Wenn die nächste Vorlesung früh am Morgen stattfindet, solltest du lieber in einem Café arbeiten. Hier endet die Schicht meist am frühen Abend. Die Schicht beginnt dann natürlich auch morgens.

Karrierechancen

Der Faktor Karriere kommt beim Kellnern eher zu kurz. Es kann höchstens ein nettes Plus bei einem späteren Bewerbungsgespräch sein, um deine Stressresistenz und Teamfähigkeit zu beweisen. Jeder Personalverantwortliche wird dir sofort abnehmen, dass du in diesen Punkten Erfahrungen vorweisen kannst. Ansonsten bringt dir die Kneipen-Expertise aber nur etwas, wenn du nach dem Studium in der Gastronomie arbeiten möchtest, beispielsweise als Manager, Pächter oder selbständiger Gastronom - dann aber ist sie sehr wertvoll. Übrigens: Das durchschnittliche Bruttogehalt für Vollzeitkellner lag im Jahr 2014 bei 2.143 Euro - davon sind aber noch keine Steuern und Abgaben bezahlt.

Funfactor / Flirtfactor

Für kommunikativ veranlagte Menschen ist die Arbeit in einer Gaststätte genau das Richtige. Umso mehr (nette) Gäste kommen, desto mehr Spaß macht die Arbeit. Der Faktor Flirten sticht dabei den Faktor Karriere voll und ganz: Vor allem beim Kellnern in Bars und Clubs ist der Arbeitsplatz zugleich auch Dating-Ort. Das kann natürlich Fluch und Segen zugleich sein, denn vor allem Frauen müssen sich teilweise sehr unangenehme Sprüche anhören und sind die ständige Anmache irgendwann Leid. Hier ist das Publikum in einem Café um einiges umgänglicher als Gäste, die nachts durch die Bars ziehen, wo zudem der Alkoholpegel im Laufe des Abends immer mehr steigt und die Hemmschwellen damit fallen. Es hängt letzten Endes nur von dir ab, ob du dich gerne auf Flirts einlässt oder einfach alle Versuche abblockst. Hier solltest du selbstbewußt genug sein.

Formalitäten

Im Service bist du in der Regel als Minijobber beschäftigt. Das heißt: Alles, was du verdienst, ist abgabenfrei, wenn du vorher einen Antrag auf Befreiung von der Rentenversicherungspflicht stellst. Dein Arbeitgeber muss sich um die Anmeldung bei der Sozialversicherung kümmern. Als Minijobber darfst du im Monat bis zu 450 Euro verdienen, in einigen Monaten auch mehr, so lange du im Jahr nicht mehr als 5.400 Euro verdienst. Wenn du darüber liegst, werden auch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge fällig.

Unabhängig davon gibt aber die Krankenversicherung vor, wie viel du arbeiten darfst: In der Regel nicht mehr als 20 Stunden pro Woche. Es sind auch mehr Wochenstunden möglich, wenn die Tätigkeit überwiegend in den Abendstunden und am Wochenende durchgeführt wird. Beim Kellnern ist das meistens, aber nicht immer der Fall. Frage im Zweifel direkt bei deiner Krankenkasse nach, da du sonst deinen Studentenstatus verlieren kannst. Auch, wenn du noch beitragsfrei über deine Familie versichert bist, solltest du nachfragen, da es hier eine gesonderte Verdienstgrenze gibt.

Steuerlich ist der „Zusatzverdienst Trinkgeld“ sehr vorteilhaft, denn du brauchst ihn als Arbeitnehmer beim Finanzamt nicht anzugeben. Vorausgesetzt, die Gäste haben dir das Trinkgeld direkt und freiwillig für deine Dienstleistung gegeben. Auch läufst du nicht Gefahr, die genannten Verdienstgrenzen zu überschreiten, da das Geld, welches dir die Gäste zustecken, nicht auf das normale Einkommen angerechnet wird. Wenn du mehrere Arbeitgeber hast, muss du allen voneinander erzählen. Denn dein jährlicher Gesamtverdienst rechnet sich aus dem Einkommen aus allen Jobs zusammen.

Fazit

Beim Kellnern stehen Flexibilität und die Möglichkeit, durch Trinkgeld den Stundenlohn erheblich aufzubessern, einem in machen Fällen stressigen und körperlich anstrengendem Job gegenüber. Kellnern ist für Studenten geeignet, die gerne aus dem Lernalltag ausbrechen möchten oder den Job nutzen wollen, um sich gleich eine Verabredung für danach zu sichern.

Für Studenten mit besonders umfangreicher Anwesenheitspflicht in der Uni ist die Arbeit in Kneipe, Bar oder in einem Café eher nichts. Mit etwas Organisationstalent und Selbstdisziplin kannst du aber trotzdem den Job auch mit lernintensiven Fächern unter einen Hut bekommen.