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Dein Berufseinstieg in der Corona-Zeit

Karriere-Themen in der Corona-Krise: Vom Jobeinstieg, über Bewerbungen, bis zum Lebenslauf.

Dein Berufseinstieg in der Corona-Zeit

Kurzarbeit, Einstellungsstopps, drohende Rezession: Die Auswirkungen der Corona-Krise sind auch auf dem Arbeitsmarkt deutlich zu spüren. Besonders für Absolventen und Berufseinsteiger bringt das viel Unsicherheit. Tipps für Bewerber und Jobsuchende.

Alles Wichtige in Kürze:

  • Neuen Arbeitsvertrag in der Corona-Zeit unterschrieben: Generell darf das Unternehmen den Arbeitsvertrag noch vor Jobantritt kündigen. Auch eine Kündigung innerhalb der Probezeit ist möglich. Frage bei deinem zukünftigen Arbeitgeber nach.
  • Jobeinstieg in der Corona-Krise: Der Bewerbungsprozess kann sich aktuell verzögern. Tipp: Den Bewerbungsprozess weiterführen wie bisher. Die meisten Unternehmen führen das Recruiting weiterhin aus dem Homeoffice.
  • Bewerbungsprozess in der Corona-Zeit: Die ersten Gesprächsrunden finden per Telefon, Skype oder sonstigen Videotelefonie-Anbietern statt.
  • Kritische Branchen in der Corona-Zeit: Tourismus und Automobilbranche. Tipp: Flexibel sein was die Branche angeht.
  • Thema Corona im Anschreiben erwähnen? Tipp: Optimal ist es, wenn ein Bezug zwischen den Qualifikationen und der Position hergestellt wird. Beispiel: Das Bachelor-Thema war "Change Management". Die Theorie ist heute besonders nützlich in der aktuellen Corona-Lage.
  • Lebenslauflücke aufgrund von Corona: Nicht schlimm, so lange der Bewerber mit seinem Lebenslauf im Reinen ist, d.h. eventuelle Jobwechsel oder Pausen erklären kann.
  • Lücke im Lebenslauf sinnvoll füllen: Tipp: Nutze das umfangreiche Online-Weiterbildungsangebot im Netz. Absolviere z. B. einen Business Englischkurs.

Schaubild
(Statista)

„Der weltweite Arbeitsmarkt ist von der Coronapandemie betroffen und steht vor einem großen Umbruch“, sagt Karriere-Coach Bernd Slaghuis

aus Köln.

Tausende Unternehmen haben bereits Kurzarbeit angemeldet, es gibt Einstellungsstopps und eine Pleitewelle wird befürchtet. Da wundert es nicht, dass die Verunsicherung gerade unter Absolventen und Berufseinsteigern groß ist. Schließlich sind sie gerade erst dabei, in der Jobwelt Fuß zu fassen.

„Wer jetzt gerade mit dem Studium fertig wird – oder noch in der Bewerbungsphase steckt, macht sich verständlicherweise Sorgen. "Was bei Bewerbungen in der aktuellen Situation hilft, kannst du im Interview mit dem Karriere-Coach Bernd Slaghuis lesen:


Vertrag schon unterschrieben – doch geht es wirklich los?

Auch wer schon einen Schritt weiter ist und bereits einen unterschriebenen Arbeitsvertrag in der Tasche hat, fragt sich dieser Tage sorgenvoll, ob er wirklich in ein oder zwei Monaten seine erste Stelle antreten wird. Und unter welchen Bedingungen. Generell darf das Unternehmen in der Regel, den Arbeitsvertrag auch schon vor Jobantritt kündigen. Vorausgesetzt, es gibt keine Klausel, die dies explizit ausschließt. Auch eine Kündigung innerhalb der Probezeit, die meist sechs Monate dauert, ist ohne weitere Begründung möglich. Die Kündigungsfrist beträgt dann normalerweise zwei Wochen.

Wer sich ernsthaft Sorgen macht, sollte seinen zukünftigen Arbeitgeber anrufen oder anmailen – und offen fragen, wie etwa die Einarbeitungsphase in Corona-Zeiten geplant ist? Ob die Kollegen alle im Homeoffice arbeiten und ob er als neuer Mitarbeiter vielleicht schon mal für eine entsprechende Infrastruktur zu Hause sorgen sollte. Denn: Klarheit, schafft Sicherheit – und die ist gerade in der aktuellen Lage gut für Laune und Seele. So lassen sich vielleicht die letzten freien Wochen vor dem Jobeinstieg ein bisschen besser genießen.

7 Fragen an...

Bernd Slaghuis , Karriereberater und Bewerbungs-Coach aus Köln:

Viele Absolventen und Berufseinsteiger sind verunsichert – und fragen: Kann der Jobeinstieg auch in der Corona-Krise gelingen?

Aber natürlich. Allerdings müssen sich Jobsuchende darauf einstellen, dass sich der gesamte Bewerbungsprozess verzögert – und sie vielleicht einige Wochen oder sogar Monate länger suchen müssen, bis ein Job gefunden ist, als bisher. Das hängt natürlich auch vom Beruf und der Branche ab. Generell rate ich aber allen Jobsuchenden, ganz normal weiter zu machen. Denn in den meisten Unternehmen geht im Homeoffice das Recruiting regulär weiter.

Wie verändert sich der Bewerbungsprozess in Corona-Zeiten?

Die meisten Unternehmen sind aktuell dazu übergegangen, die ersten Gesprächsrunden per Videotelefonat, Skype oder am Telefon zu absolvieren. Wenn es um die finale Entscheidung vor einem Arbeitsvertrag geht, werden aber sicherlich viele der Personalverantwortlichen den künftigen Mitarbeiter auch noch persönlich kennen lernen wollen – und solange abwarten.

Welche Branchen suchen weiterhin Personal – und wo ist der Arbeitsmarkt quasi zum Stillstand gekommen?

Auch wenn der gesamten Wirtschaft eine Rezession droht – und damit viele Unternehmen unter Druck geraten, sind längst nicht alle Branchen von der Corona-Pandemie gleichermaßen betroffen. Aktuell ist es sicherlich wenig erfolgsversprechend, sich im Tourismus oder bei den großen Airlines zu bewerben. Auch die Automobilbranche sowie viele Handelskonzerne – mit Ausnahme des Lebensmitteleinzelhandels – haben bereits Einstellungsstopps angekündigt.

Was raten Sie in einer solchen Situation?

Vielen jungen Berufseinsteigern ist heute Sicherheit wichtig. Sie sollten sich jetzt auch abseits ihrer Wunschbranche überlegen, welche Berufe auch nach der Krise Zukunft haben oder sogar von ihr profitieren werden. Seien Sie flexibel und gucken Sie rechts und links! Für welche anderen Bereiche können Sie sich noch begeistern? Gefragt sind derzeit besonders viele Jobs im Gesundheitswesen, auch im Management oder der Beschaffung. Und auch IT-Fachleute bleiben gefragt, beispielsweise Cloud-Ingenieure, Softwareentwickler und Datenbank-Experten.

Soll ich in meiner schriftlichen Bewerbung die Pandemie thematisieren?

Warum nicht. Ich bin der Meinung, auch in einer Bewerbung kann man derzeit nicht so tun, als wäre die Welt in Ordnung. Das ist nicht authentisch. Gut wäre es, wenn Sie es sogar schaffen, einen aktuellen Bezug zwischen Ihren Qualifikationen und der Position herzustellen, um die es geht. Ein Beispiel: Wer seine Bachelor-Thesis über „Change Management“ oder „Neuorganisation von Unternehmensstrukturen“ geschrieben hat, bringt doch jetzt alles mit, um in dieser Umbruchphase seine Fähigkeiten einzusetzen.

Wenn der Jobeinstieg gerade nicht gelingt: Wie schlimm ist eine „Corona-Lebenslauf-Lücke“?

Lücken im Lebenslauf bereiten aus meiner Erfahrung Bewerbern mehr Kopfzerbrechen als Recruitern. Es ist heute keine Seltenheit, dass Jobwechsler mehrere Monate oder sogar ein Jahr suchen, bis sie ihren passenden Arbeitgeber gefunden haben. Wichtig ist, dass Sie mit Ihrem Lebenslauf selbst im Reinen sind – und ganz sicher war die längere Suchphase oder der kleine Umweg zum neuen Job auch für etwas gut. Vielleicht, weil Sie in Ihrem Leben etwas Neues ausprobiert, sich weitergebildet und wichtige Erfahrungen gesammelt haben.

Und wer sich mental gerade nicht in der Verfassung fühlt, sich ernsthaft zu bewerben, der sollte sich einen kurzen Break gönnen, sich um seine Gesundheit kümmern und mit der Bewerbungsphase neu starten, wenn sich die Situation beruhigt hat.

Wie kann ich die Zeit bis dahin sinnvoll nutzen?

Beispielsweise indem Sie sich zuhause weiterbilden: Ihr Business-Englisch aufpolieren, sich mit IT-Themen oder agilem Projektmanagements beschäftigen. Entsprechende Online-Kurse gibt es jede Menge. Vielleicht ist es auch gerade jetzt in der Krise ein Nebenjob, der zur Überbrückung Sinn macht: Im Lebensmitteleinzelhandel, als Erntehelfer oder ein ehrenamtliches Engagement. Und wenn Sie einfach eine kleine Pause von allem brauchen, ist das auch völlig in Ordnung. Denn es ist für uns alle eine schwierige und unsichere Zeit.

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