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Die YouTuber-Firma: vom Hobby zum Beruf

Die Möglichkeit, mit YouTube Geld zu verdienen, ist quasi automatisch eingebaut. Die Pflicht, sich um den richtigen rechtlichen Rahmen zu kümmern, nimmt dir aber niemand ab. Hier erfährst du, was du alles beachten solltest.

Für Schnellleser:

  • YouTube bietet einen einfachen Einstieg in die Vermarktung der eigenen Videos.
  • Um den erforderlichen rechtlichen Rahmen kümmert sich YouTube allerdings nicht, hier müssen die YouTuber selbst dafür sorgen, dass sie die geltenden Gesetze und Vorschriften einhalten.
  • Bei wirtschaftlicher Betätigung wird aus dem YouTuber ein selbstständiger Unternehmer oder Freiberufler.
  • Arbeiten mehrere auf wirtschaftlicher Basis dauerhaft zusammen, sind sie automatisch eine Firma, z. B. eine GbR.
  • Dann sind Verträge wichtig, sie regeln die Zusammenarbeit.
  • Wer allein arbeitet ist Selbstständiger oder Freiberufler. Auch hier gibt es einiges zu beachten. Über die Einordnung entscheidet das Finanzamt.
  • Wichtig ist, vorher zu klären, in welcher Form man sich wirtschaftlich betätigen möchte.

Viele YouTuber sind mittlerweile richtige Produktionsprofis geworden. Sie haben sich Studios eingerichtet, holen sich Unterstützung bei der Produktion und laden mehrere Videos in der Woche hoch. Die Vermarktung übernimmt YouTube, das Geld fließt bei erfolgreichen Kanälen also fast automatisch.

Bei vielen steht ein Traum dahinter: eines Tages davon leben zu können oder wenigstens ein ordentliches Zubrot zu verdienen. So wird aus dem Hobby schnell eine kleine Firma.

Damit alle auf der rechtlich sicheren Seite stehen und auch die Zusammenarbeit mit anderen professionell läuft, solltet ihr einige Dinge beachten – du als Auftraggeber, aber auch deine Freunde und Mitarbeiter. Ihr solltet zum Beispiel eure Zusammenarbeit darauf abklopfen, ob sie vielleicht unter die Sozialversicherungspflicht fällt.

Auch wirtschaftlich solltet ihr euer kleines Unternehmen auf eine solide Basis stellen. Denn ihr arbeitet nicht mehr im rechtsfreien Raum. Ihr braucht eine Struktur. Und auch euer Verhältnis untereinander solltet ihr klären, vielleicht sogar mit einem Vertrag. Schreibt ihr Rechnungen, gibt es ebenfalls einiges zu beachten.

Die Unternehmensform

Fangen wir mit der „Produktionsfirma“ an – so kann man es ja in vielen Fällen fast schon nennen. Wenn ihr zu zweit oder mehreren als YouTuber zusammenarbeitet, dann seid ihr rechtlich ganz schnell tatsächlich eine Firma, ohne dass es euch bewusst ist. Das gilt dann, wenn ihr nach außen gemeinsam auftretet. Dies kann erhebliche Konsequenzen haben.

GbR automatisch

Wenn sich zwei oder mehr Partner für ein gemeinsames Projekt zusammenschließen, ist dies automatisch eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Dazu müsst ihr nicht mal einen Vertrag abgeschlossen haben. Es reicht der gemeinsame Auftritt nach außen. Die Tücke dabei: Jeder haftet für alles. Wenn also einer der Partner zum Beispiel eine technische Ausstattung kauft, die ihr nicht bezahlen könnt, dann können die Gläubiger jeden belangen. Ihr haftet auch mit eurem Privatvermögen.

Wenn ihr so intensiv zusammenarbeitet, ist es also besser, einen Vertrag zu schließen. Die Haftung könnt ihr damit zwar nicht ausschließen, aber ihr könnt euch zumindest untereinander absichern.

Viele Vorteile

Es hat für euch durchaus noch weitere Vorteile, wenn ihr auf diese Weise eine Firma bildet. Zum einen ist die GbR schnell gegründet – wie gesagt, es kann sogar automatisch passieren. Bewusst geformt, könnt ihr sie vielfältig nutzen. Nach außen tretet Ihr gemeinsam auf, könnt eurem kleinen Unternehmen eine Identität geben, auch zum Beispiel bei der Bank.

Hier gibt’s Tipps

Andere Unternehmensformen, zum Beispiel die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), die Unternehmergesellschaft (Mini-GmbH oder UG) oder die Offene Handelsgesellschaft (OHG) erfordern einen größeren Aufwand, verursachen auch Kosten. Sie können vor allem dann von Interesse sein, wenn sich euer Business stark erweitert. Am besten informiert ihr euch zum Beispiel bei Beratern der Industrie- und Handelskammern. Erste Tipps gibt es unter existenzgruender.de

Freiberufler oder Gewerbetreibender

Doch auch, wenn du allein die Produktion stemmst und deine Mitstreiter dir nur zuarbeiten, musst du dir Gedanken über die Form deines Unternehmens machen. Da stellen sich schon Fragen genug: Bin ich Freiberufler, selbstständig? Muss ich ein Gewerbe anmelden?

Selbstständig sind alle, die nicht in einem angestellten Arbeitsverhältnis stehen. Das ist quasi der Oberbegriff auch für deine Tätigkeit. Denn das ist es ja gerade, was du schätzt: Du willst dein eigenes Ding machen. Zu den Selbstständigen gehören nun die Freiberufler und die Gewerbetreibenden. Den Unterschied regelt das Einkommensteuergesetz.

Viele Grauzonen

Grundsätzlich kann man so viel sagen: Freiberufler sind vor allem Dienstleister wie zum Beispiel Webdesigner, Journalisten, Künstler, aber auch Heilpraktiker, Ärzte oder Anwälte. Programmierer, Grafiker, Texter oder Designer ordnen die Finanzbeamten hingegen gerne auch mal dem Gewerbe zu, wenn sie einfach nur Vorgaben ihres Auftraggebers umsetzen.

Im Einzelfall gibt es da also viele Grauzonen und Tücken. Du solltest zur Sicherheit bei deinem Finanzamt nachfragen, das ohnehin über die Einordnung entscheidet. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt: Zum Gewerbe gehören Industrie- und Handwerksbetriebe, Einzelhandel, Gastronomie und Hotels, haushaltsnahe Dienstleistungen, Vertreter und Vermögensberater.

Die Unterschiede

Welche Rolle spielt es denn nun, ob du Freiberufler oder Gewerbetreibender bist? Eine ziemlich große Rolle, denn es wirkt sich auf die gesamte Arbeit aus. Zählst du zu den Gewerbetreibenden, musst du dein Gewerbe beim Finanzamt, beim Gewerbeamt und der zuständigen Kammer (IHK, Handwerkskammer) anmelden.

Du musst das Unternehmen ins Handelsregister eintragen und Gewerbesteuer zahlen, wenn du mehr als rund 24.500 Euro Gewinn machst. Immerhin: Bis zu einem Jahresumsatz von 17.500 Euro giltst du als Kleingewerbetreibender und musst nur eine sogenannte Einnahmen-Überschuss-Rechnung machen.

Frei = einfacher

Freiberufler haben es da einfacher. Sie müssen ihre Tätigkeit nur dem Finanzamt melden; von dort bekommen sie dann manchmal eine neue Steuernummer. Selbst das muss aber nicht unbedingt sein. Sie müssen kein Gewerbe anmelden. Vor allem müssen sie keine aufwendige Buchführung machen. Bei ihnen reicht die genannte Einnahmen-Überschuss-Rechnung; in der Steuererklärung müssen sie nur ihre Einkünfte aus selbstständigen Tätigkeiten deklarieren. Als Journalisten oder Künstler müssen sie in der Künstlersozialkasse sein, können sich aber befreien lassen. Viele Vorteile also – deswegen ist die Frage so wichtig, als was du vor den Finanzbeamten giltst.

Selbstständig als Student

Du produzierst als YouTuber neben dem Studium? Da gelten im Prinzip für dich die gleichen Regeln wie für alle Selbstständigen, Gründer oder Unternehmer. Auf einige Punkte musst du aber achten. Hier nur ein paar Stichworte – die Einzelheiten müsstest du beim BAföG-Amt oder der Krankenversicherung abklären.

Wenn du BAföG bekommst, darfst du nur bis zu einem regelmäßig neu festzusetzenden Betrag Gewinn im Jahr machen. Wenn du über deine Eltern in der Krankenkasse versichert bist, sind ebenfalls bestimmte Einkommens- und Arbeitsgrenzen zu beachten – oder du musst dich in der studentischen Krankenversicherung anmelden.

Unternehmen gründen

Noch ein Tipp zum Schluss: Vielleicht reift deine YouTube-Produktion sogar so weit, dass du an eine Ausweitung denkst. Neben der Unternehmensgründung ist dann unter Umständen sogar die Frage interessant, ob du Unterstützungen dafür in Anspruch nimmst. Dafür gibt es viele Möglichkeiten – vom Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit bis zu Gründerkrediten der Förderbanken. Einen ersten Überblick findest du unter /www.bmwi.de