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YouTuber: Collab mit den Behörden

Zusammenarbeit unter YouTubern unterliegt gewissen Regeln. Hier erfährst du, worauf du achten musst.

Für Schnellleser:

  • Zusammenarbeit unter YouTubern macht sich meist bezahlt, wenn dabei aber wirklich Geld fließt, gibt es einige Dinge zu beachten.
  • Bei regelmäßiger Beschäftigung einer Aushilfe oder eines Fachmanns können Sozialabgaben anfallen.
  • Minijobber müssen angemeldet werden und dürfen nur maximal 450 Euro im Monat verdienen.
  • Auch Praktikanten haben in den meisten Fällen ein Recht auf den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro.
  • Wird die Produktion größer, können auch die Themen Scheinselbstständigkeit und sogar Schwarzarbeit eine Rolle spielen.

Collabs, also die Zusammenarbeit unter Freunden, stehen bei YouTubern hoch im Kurs – und zwar nicht nur vor der Kamera. Viele helfen sich auch gegenseitig bei der Produktion oder lassen sich von Experten helfen. Aus gutem Grund: YouTube-Kanäle werden immer professioneller und nicht jeder kann alles, was zu einem guten Video gehört, gleich gut. Drehen, Schneiden, guter Ton, Grafik und Musik …, da kommt einiges zusammen. Insbesondere, wenn man mehrere Videos in der Woche hochladen möchte, ist die Arbeit kaum noch allein zu schaffen.

Solange ihr das mit Freunden und ohne Bezahlung macht, ist das alles kein Problem. Wenn der Aufwand aber steigt und ihr an eure Unterstützer etwas zahlt oder für eure Hilfe Geld bekommt, dann müsst ihr aufpassen. Es kann sein, dass sich nicht nur eure Fans, sondern auch das Finanzamt oder die Sozialversicherung für eure Arbeit interessieren. Vor allem dann, wenn ihr mit eurem YouTube-Auftritt bereits Geld verdient.

Von der Hilfe unter Freunden zur bezahlten Dienstleistung

Beispiel: Du lässt dir beim Schneiden eines Videos helfen und zahlst dafür deinem Cutter einen bestimmten Betrag. Wenn ihr häufiger zusammenarbeitet und das womöglich sogar auf Rechnung läuft, müsst ihr beide einiges beachten. Unter Umständen werdet ihr aus rechtlicher Sicht zu Auftraggeber und Auftragnehmer oder gar Arbeitgeber und -nehmer, ohne dass ihr das überhaupt beabsichtigt. Dann wird das Thema Sozialversicherung wichtig und die Frage: Muss ich Beiträge entrichten? Diese Punkte sind dabei für euch wichtig: – Beauftragst du bzw. arbeitest du für jemanden regelmäßig oder fest? – Welchen Status hat der Auftragnehmer außerhalb der YouTube-Arbeit? – Wie viel zahlst/bekommst du?

Einmal- oder Dauer-Job?

Fangen wir mit der ersten Frage an: Was heißt regelmäßig? Du machst normalerweise alles selbst, willst jetzt aber einmal eine größere Produktion umsetzen und brauchst nur dafür den Cutter. Das Engagement gilt mit Blick auf die Sozialversicherung als kurzfristig oder befristet, wenn du ihn für maximal drei Monate oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr beauftragst. Dafür brauchst du keine Beiträge zu bezahlen – der Cutter übrigens auch nicht. Wenn du ihn länger engagierst, kann aus dem Auftrag eine Dauerbeschäftigung werden. Wie ihr da verfahren müsst, hängt dann von der Höhe der Zahlung (Gehalt, Honorar) und vom Status des Cutters ab: Ist er als Selbstständiger, Student oder im Nebenjob für dich tätig?

Haupt- oder Nebenjob?

Dies führt uns zur zweiten Frage: Was macht der Cutter sonst so? Fall 1: Er hat einen anderen Hauptjob oder studiert und arbeitet darüber hinaus nur für dich. Dann muss er für den Nebenjob in der Regel keine Beiträge in die Sozialversicherung zahlen – du aber unter Umständen schon. Mehr dazu später. Fall 2: Er ist selbstständig. Normalerweise ist er dann nicht in der gesetzlichen Sozialversicherung pflichtversichert, für dich fällt auch nichts an. Es sei denn, der Cutter ist als Künstler, Journalist oder in ähnlicher Funktion in der Künstlersozialkasse versichert. Dann gelten für ihn die gleichen Regeln wie für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Für dich als Auftraggeber ist es sehr wichtig, hier für klare Verhältnisse zu sorgen, denn davon kann abhängen, ob du selbst zum Unternehmer wirst, der als hauptberuflich tätiger Selbstständiger gilt. Das ist dann der Fall, wenn du einen oder mehrere sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter beschäftigst – oder auch, wenn mehrere Minijobber für dich arbeiten, denen du zusammen mehr als 450 Euro im Monat zahlst.

Mini- oder Voll-Job?

Damit wären wir bei der dritten Frage: Wie hoch ist die Bezahlung? Hier gibt es eine magische Grenze: 450 Euro im Monat oder 5.400 Euro im Jahr. Bis dahin gelten regelmäßige Tätigkeiten als Minijob. Wie viele Stunden pro Woche jemand für dich arbeitet, ist dabei egal.

Der Minijob

Er regelt die geringfügige Beschäftigung. Du musst quasi als Arbeitgeber 15 Prozent Abgaben in die Rentenversicherung zahlen und eine Steuer-Pauschale von zwei Prozent. Dein Mitarbeiter kann sich von seinem Anteil an der Rentenversicherung (rund vier Prozent) befreien lassen. Den Antrag müsstest du stellen. Wenn er einen sozialversicherten Hauptjob hat, darf er nur einen Minijob nebenher machen. In der Kürze lassen sich nicht alle Details dazu darstellen. Am besten informierst du dich genauer bei der Minijob-Zentrale . Dort müsstest du den Mitarbeiter auch anmelden.

Höhere Bezahlung

Eure Produktion läuft sehr gut. Ihr generiert Einnahmen, müsst aber auch mehr dafür investieren. Wenn deine Mitarbeiter alle selbstständig sind, ist das mit Blick auf die Sozialversicherung unproblematisch, so lange sie nicht nur für dich arbeiten (sonst droht Scheinselbstständigkeit oder gar Schwarzarbeit, siehe unten). Als reguläre Freiberufler oder Selbstständige stellen sie Rechnungen, du überweist, und fertig. Wichtig sind hier dann andere Themen wie Steuer oder deine Stellung als Unternehmer, der dann am besten mit Verträgen arbeitet. Komplizierter wird es, wenn du mehrere Minijobber beschäftigst – oder sogar einen voll sozialversicherten Angestellten hast. Deine Mitarbeiter sind dann Teilzeitbeschäftigte und haben verschiedene Rechte wie Urlaub oder Entgeltfortzahlung bei Krankheit. Die Mitarbeiter müssen ebenfalls einiges bedenken. Sind sie hauptberuflich sozialversicherungspflichtig beschäftigt, sollte der Nebenjob nicht zu viel Raum einnehmen. Sie machen die Nebentätigkeit am besten als Selbstständige – dann müssen sie keine Sozialversicherungen zahlen. Und sie sollten die Arbeit zeitlich begrenzen. Sonst ist nicht nur ihr Arbeitgeber sauer, sie geraten in Gefahr, dass die selbstständige Tätigkeit zum Hauptjob wird. Studenten müssen ebenfalls aufpassen. Überschreiten sie bestimmte Arbeitszeit- und Einkommensgrenzen, kann das Auswirkungen auf die Kranken- und Rentenversicherungspflicht haben. Auch aus eigenem Interesse sollten sie darauf achten, dass das Studium Vorrang hat.

Praktikanten

Ihr könntet natürlich auch Praktikanten beschäftigen. Aber Vorsicht: Auch hier gilt in einigen Fällen der Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde, nur bestimmte Formen wie Pflichtpraktika sind ausgenommen.

Schwarz oder regulär?

Achtung, Schwarzarbeit! Und du als Chef musst aufpassen, dass keine Schwarzarbeit droht. Folgender Fall: Du hast mittlerweile ein richtiges Studio aufgebaut. Du beschäftigst Mitarbeiter zu bestimmten Zeiten, gibst ihnen also Arbeitszeit und Ort vor. Passiert das alles auf Nebenjob-Basis, ist das kein Problem. Arbeitet aber jemand als Selbstständiger nur für dich, dann droht die Scheinselbstständigkeit. Zahlt ihr keine Sozialabgaben, gilt das als Schwarzarbeit, es drohen Nachzahlungen und Bußgelder. Danach solltest du fragen:

  • Bist du der einzige Auftraggeber? Oder hat er auch andere Kunden?
  • Arbeitet dein Mitarbeiter über die Minijob-Grenzen hinaus für dich?

Wenn er kein eigenes Büro hat, keine eigenen Mitarbeiter beschäftigt, keine Werbung für sich macht, von dir Weisungen bekommt, womöglich gar Urlaub, mehr als 18 Stunden für dich arbeitet, dann sind das alles Punkte, die bei einer Prüfung dazu führen können, dass der Mitarbeiter als hauptberuflich für dich tätig eingestuft wird. War er bis dato nicht angemeldet, dann war das Schwarzarbeit.

Spaß am Erfolg

All diese Informationen sollen dich nun aber nicht abschrecken. Nur dafür sensibilisieren, dass es ein paar Punkte zu beachten gibt. Denn letztlich steht der Spaß am Projekt im Vordergrund – und der mögliche Erfolg. Solltest du noch Fragen zum Thema haben, wende dich am besten an eine Gründungsberatung oder die Industrie- und Handelskammer in deiner Region.