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Verträge mit Youtube-Netzwerken: Vorsicht vor Übervorteilung – Teil 2

Teil 2 unseres Interviews mit Christian Solmecke zum Thema: Zusammenarbeit von YouTubern und Netzwerken.

Behalte ich eigentlich die inhaltliche Freiheit?

Christian Solmecke: Das kommt auf den Vertrag im Einzelfall an. In vielen Verträgen findet sich folgende Klausel: „rechtliche und redaktionelle Vorgaben vom Netzwerk sind im Falle eines Risikos für den Vermarktungserfolg zu beachten“. Mit dieser Klausel lässt sich das Netzwerk eine zu große und unbestimmte Handlungsfreiheit in Bezug auf den Inhalt der Videos einräumen. Hier sollten die Fälle, in denen die inhaltliche Freiheit eingeschränkt werden soll, ganz konkret benannt werden.

Behalte ich die Hoheit über meinen Kanal (während der Laufzeit und danach)?

Christian Solmecke: Wer einem Netzwerk beitritt, kommt nicht umhin, gewisse Zugeständnisse zu machen und die entsprechenden Rechte abzugeben. Vertraglich sollte genau festgelegt werden, inwieweit und in welchen konkreten Fällen die Freiheit des YouTubers beschränkt werden kann.

Kann ich mit den Videos, die während der Zusammenarbeit entstanden sind, nach Ende des Vertrages machen was ich will?

Christian Solmecke: Dies sollte vertraglich zugesichert werden. Es kommt hier jedoch auf die Einzelheiten des konkreten Vertrages an.

Was ist mit Zweit oder Drittverträgen, sind die dann automatisch bei meinem MCN?

Christian Solmecke: Neue Kanäle und Videos unterfallen zunächst dem bestehenden Vertrag. Das Netzwerk kann nach Vorlage durch den YouTuber einzelne Kanäle und Videos mangels Interesse freigeben. Ist die Vermarktung für das Netzwerk nicht interessant, wird das Video freigegeben und der YouTuber kann sich an ein anderes Netzwerk wenden.

Wie sollte ich die Erlösverteilung regeln?

Christian Solmecke: Je niedriger die prozentuale Beteiligung der Netzwerke, desto besser für den YouTuber, der plant seinen Umsatz kontinuierlich zu steigern. Der YouTuber sollte darauf bestehen, die tatsächlichen Einnahmen einsehen dürfen. Hat der YouTuber nicht vor, seinen Umsatz erheblich zu steigern, kann eine Vereinbarung sinnvoll sein, in der er 100 % eines bestimmten Wertes erhält und erst alles darüber hinaus wird geteilt. Der Anteil des Netzwerks ist in der Regel bei einer solchen Vereinbarung höher (> 50 %).

Wer sollte die Rechteklärung übernehmen (z.B. für von mir genutztes Material), bzw. wer übernimmt die Haftung?

Christian Solmecke: In den Verträgen ist häufig vereinbart, dass das Netzwerk von sämtlichen Ansprüchen Dritter freigestellt wird, die mit Inhalten der Kanäle und Videos und deren Auswertung in Zusammenhang stehen. YouTuber sollten auf eine anteilige Haftung des Netzwerks bei Verletzungen der Rechte Dritter bestehen.

Wie sollte ich das Kündigungsrecht regeln bzw. die Fristen?

Christian Solmecke: Youtuber sollten eine Kündigungsfrist von über 3 Monaten nicht akzeptieren.

Welche Laufzeit sollte ich wählen?

Christian Solmecke: Die Vereinbarung einer unbestimmten Laufzeit, die erstmals nach einem Jahr gekündigt werden kann, ist zulässig, aber nicht zu empfehlen. YouTuber sollten eher eine kürzere feste Laufzeit vereinbaren.

Was kann ich tun, wenn mir ein bereits unterschriebener Vertrag nicht mehr gefällt? Wie komme ich aus so einem Vertrag raus, gibt es vielleicht Klauseln, die einen Vertrag von vornherein unwirksam machen?

Christian Solmecke: Einzelne unwirksame Klauseln führen nicht automatisch dazu, dass der Vertrag unwirksam ist. Benachteiligt der Vertrag den YouTuber jedoch in mehreren Punkten unangemessen, etwa weil etliche Passagen des Vertrages zu unbestimmt sind, dann könnte der gesamte Vertrag unwirksam sein. Hier bedarf es immer einer Prüfung im Einzelfall.

Wie kann ich mich auf Vertragsverhandlung und Vertragsunterzeichnung am besten vorbereiten?

Christian Solmecke: Im Vorteil ist bei Vertragsverhandlungen immer derjenige, der genaue Vorstellungen davon hat, wie die Dienstleistung des Netzwerks auszusehen hat und sich bewusst ist, zu welchen Zugeständnissen er bereit ist oder eben auch nicht. Diese beiden Punkte treffen auf die meist jungen YouTuber nicht zu, da diese häufig sehr unerfahren sind. Hier ist es ratsam, eine zweite Person zur Rate zu ziehen, die in der Lage ist die Tragweite der einzelnen Regelungen einzuschätzen.

Teil 1 des Interviews findest du hier:
Verträge mit Youtube-Netzwerken: Vorsicht vor Übervorteilung – Teil 1