MLP

Dein Browser ist veraltet. Bitte aktualisiere deinen Browser, um unser Online-Angebot optimal nutzen zu können.

browser update

Flensburg

Inhalt

Crowdfunding – alles, was du über diese neue Form der Finanzierung wissen musst

Das Geld kommt von der Crowd statt von der Bank. Crowdfunding ist eine Alternative für Gründer und Investoren. Was es dabei zu beachten gilt, erfährst du hier.

Für Schnellleser:

  • Crowdfunding hat sich als neue Finanzierungsform neben Bankkrediten, staatlicher Förderung und Investoren etabliert.
  • Crowdfunding ist ein Sammelbegriff für vier verschiedene Formen gemeinschaftlicher Finanzierung: belohnungsbasiertes Crowdfunding, spendenbasiertes Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdlending.
  • Das Thema Crowdfunding muss aus zwei Sichtweisen betrachtet werden: aus der Sicht des Anlegers und aus der Sicht des Gründers oder Projektinitiators.
  • Je nach Projekt eignen sich bestimmte Formen von Crowdfunding besonders gut, einige Projekte kombinieren dabei sehr erfolgreich verschiedene Spielarten des Crowdfundings.
  • Eine Crowdfunding-Kampagne kostet viel Zeit in der Vorbereitung und Durchführung. Die Kommunikation mit der „Crowd“ (also deinen Unterstützern) steht dabei an erster Stelle.
  • Der Gesetzgeber möchte Crowdfunding stärker regulieren. Das sogenannte Kleinanlegerschutzgesetz wird erhebliche Auswirkungen auf Crowdfunding in Deutschland haben.

Crowdfunding ist ein Segen für junge Unternehmer

Wenn du ein Unternehmen gründen möchtest oder ein Projekt finanzieren willst, hast du ein Problem: Die Deutschen sind nicht gerade als sehr risikofreudiges Volk bekannt, wenn es um direkte Investitionen in Firmen geht, und die Banken stellen hohe Anforderungen für die Kreditvergabe.

Entsprechend schwer hatten es Gründer mit innovativen Ideen bislang, das notwendige Kapital zur Umsetzung ihrer Projekte aufzutreiben. Doch es gibt eine Alternative für dich: das Crowdfunding. Seit dem Start der ersten Crowdfunding-Initiativen in Deutschland im Jahr 2010 sind mittlerweile mehr als 2.300 Projekte durch die Crowd finanziert worden. Insgesamt haben diese neuen Geldgeber mittlerweile rund 140 Millionen Euro in diese Projekte investiert.

Und das ist scheinbar erst der Anfang: Allein im vergangenen Jahr ist der Crowdfunding-Markt in Deutschland um 113 Prozent gewachsen. Damit steht fest: Crowdfunding hat sich als Alternative zu Bankkrediten, öffentlichen Fördermitteln und dem Risikokapital von Investoren etabliert. Besonders spannend ist Crowdfunding für dich als Gründer, weil erfolgreiche Kampagnen immer auch eine gute Werbung für dein Unternehmen sind und die Investoren sich häufig als Botschafter der Marke verstehen und entsprechend begeistert über „ihr“ Projekt sprechen.

Crowdfunding ist eine neue Anlageform

Für dich als Sparer oder Anleger kann Crowdfunding eine neue Alternative zu den traditionellen Formen wie Sparbuch oder Aktie sein. Allerdings unterliegt dieser Bereich noch nicht der sonst üblichen strengen Kontrolle durch die Behörden und ein Totalverlust des eingesetzten Geldes muss immer einkalkuliert werden. Bei manchen Formen des Crowdfundings ist erst gar keine Rendite vorgesehen, sondern allenfalls eine Art „Belohnung“. Hier investierst du dein Geld als Fan aus Leidenschaft oder weil du eine gute Idee unterstützen möchtest.

Egal um welche Form es sich handelt: Als Anleger oder Unterstützer solltest du von dem Projekt überzeugt sein und verstehen, worum es sich dreht. Beim Crowdinvesting solltest du dich unbedingt näher mit der Firma beschäftigen, die Zahlen prüfen und bei größeren Beträgen keinesfalls auf Beratung durch einen Fachmann verzichten.

Crowdfunding – was ist das genau?

Crowdfunding wird auf Deutsch häufig mit „Schwarmfinanzierung“ übersetzt und beschreibt die Finanzierung von Projekten durch eine Vielzahl von Investoren beziehungsweise Spendern. Ob man von Investoren oder Spendern spricht, hängt davon ab, welche Form von Crowdfunding gemeint ist. Insgesamt werden vier verschiedene Varianten unterschieden:

  • Belohnungsbasiertes Crowdfunding

Der Name erklärt sich durch die Prämien, mit denen Unterstützer belohnt werden sollen. Diese sind üblicherweise gestaffelt. Ein typisches Produkt, das über diese Form des Crowdfundings finanziert wurde, ist das Einhorn-Kondom (https://www.startnext.com/en/einhorn) – ein Kondom, das unter fairen Produktionsbedingungen hergestellt wird.

Wenn du 15 Euro ausgibst, bekommst du als besondere Belohnung zwei „Chipstüten“ mit jeweils sieben Kondomen in der Limited Design Edition. Wer 10.000 Euro ausgibt, darf mit den Gründern nach Malaysia reisen und die Produktion der Kondome vor Ort erleben. Für 50.000 Euro wird sogar dein Gesicht auf eine Million Kondome gedruckt.

Die bekannteste Plattform für belohnungsbasierte Crowdfundingprojekte in Deutschland ist Startnext (www.startnext.com). Belohnungsbasiertes Crowdfunding ist besonders für die Finanzierung von Produkten geeignet, die jeder sofort versteht und nutzen kann (Filme, Gegenstände, Konsumgüter etc.).

  • Spendenbasiertes Crowdfunding

Beim spendenbasierten Crowdfunding ist die Belohnung das gute Gefühl, ein gesellschaftlich wichtiges Projekt möglich gemacht zu haben. Typische Beispiele sind Krankenhäuser und Schulen in Entwicklungsländern. Die größte deutsche Plattform in diesem Bereich ist betterplace.org. Spendenbasiertes Crowdfunding eignet sich besonders für gemeinnützige Initiativen.

  • Crowdinvesting

Beim Crowdinvesting wirst du Miteigentümer einer Firma. Für deine Investition erhältst –du – je nach Plattform – echte Anteile am Unternehmen oder zumindest eine Gewinnbeteiligung. Auch wenn das Unternehmen verkauft wird, profitieren die Investoren. Besonders erfolgreich nutzt das Unternehmen Protonet (https://www.seedmatch.de/startups/protonet-2) diese Form der Finanzierung. Schon zweimal gelang es dem Unternehmen, den notwendigen Kapitalbedarf durch die Crowd zu decken. Während der letzten Kampagne im Juni vergangenen Jahres investierten in nur 133 Stunden 1.827 Menschen drei Millionen Euro. Protonet stellt Server her, die besonders hohen Ansprüchen an den Schutz der Daten genügen sollen.

Die größten Crowdinvesting-Plattformen sind Seedmatch (https://www.seedmatch.de) und Companisto (https://www.companisto.com/de/). Anders als bei anderen Crowdfunding-Formen entsteht beim Crowdinvesting ein dauerhaftes Verhältnis zu den Investoren. Diese können in besonderen Fällen sogar Unternehmensentscheidungen verhindern.

  • Crowdlending

Beim Crowdlending handelt es sich meist um Kleinkredite. Die Plattform Auxmoney (https://www.auxmoney.com/) ist in diesem Bereich Marktführer. Typische Beispiele sind Freiberufler, die eine Nachzahlung ans Finanzamt aufbringen müssen und keinen Kredit bei der Bank bekommen. Je nach Ausfallrisiko erhalten die Kreditgeber aus der Crowd unterschiedlich hohe Renditen. Crowdlending eignet sich weniger für größere Projekte, sondern eher in Situationen, in denen man andernfalls einen Privatkredit beantragt hätte.

Lassen sich verschiedene Formen von Crowdfunding kombinieren?

Theoretisch lassen sich alle Formen von Crowdfunding kombinieren. In der Praxis kam das bislang aber noch nicht vor. Was sich jedoch aktuell als erfolgreiche Strategie erweist, ist die Kombination von belohnungsbasiertem Crowdfunding und Crowdinvesting. Dabei wird zunächst über Crowdfunding ein Prototyp finanziert. Mit diesem Prototypen geht es dann weiter ins Crowdinvesting, um die nötigen Mittel für die Massenfertigung und den Vertrieb zu erhalten. Das deutsche Unternehmen Panono (https://www.companisto.com/de/startups/panono-startup-38/overview) hat nach diesem Prinzip zunächst 1,25 Millionen Dollar auf der amerikanischen Crowdfunding-Plattform Kickstarter gesammelt, um ihre 360-Grad-Wurfkamera herzustellen. Wenig später hat Panono auf der deutschen Crowdinvesting-Plattform Companisto weitere 1,62 Millionen Euro erhalten, um den Unternehmensaufbau zu finanzieren.

Was ist beim Crowdfunding zu beachten?

Crowdfunding bietet dir als Gründer einige Vorteile. Eine erfolgreiche Kampagne bringt allerdings auch erheblichen Aufwand mit sich – insbesondere Kommunikationsaufwand. Das beginnt bei der Präsentation des Projekts. Website, Geschäftsunterlagen, –Kampagnenvideo – das alles musst du schon vor dem Start fertig haben. Sobald die Kampagne beginnt, ist es entscheidend, dass du auf allen Kanälen für dein Projekt Werbung machst und auf Fragen antwortest.

Während der Kampagnenlaufzeit, die üblicherweise zwischen vier und acht Wochen beträgt, ist mindestens eine Person aus deinem Team in Vollzeit damit beschäftigt, Mails an mögliche Unterstützer zu schreiben, in sozialen Netzwerken über den Fortschritt der Kampagne zu berichten und Journalisten Interviews zu geben.

Viele Projekte scheitern, weil sie diesen Aufwand unterschätzen und die Initiatoren versuchen, die Kampagne wie einen Nebenjob zu betrachten. Die Kräfte sollten vor allem am Start und am Ende der Kampagne gebündelt werden. In diesen Phasen kommen die meisten Mittel zusammen, dazwischen verlieren die meisten Kampagnen an Dynamik. Davon solltest du dich aber nicht beunruhigen lassen.

Worum geht es beim Kleinanlegerschutzgesetz?

Für dich als Anleger gilt es zu beachten: Wie überall gibt es auch beim Crowdfunding schwarze Schafe. Einige Unternehmen mussten beispielsweise schon kurz nach dem erfolgreichen Crowdfunding Insolvenz anmelden. Das Geld der Investoren ist in diesen Fällen verloren. Um Anleger zu schützen, sollen in Zukunft Projekte nur noch maximal eine Million Euro einwerben dürfen, wobei Einzelinvestments auf 1.000 Euro begrenzt werden. Diese Änderungen sind insbesondere für Crowdinvesting-Projekte relevant. Bei der Plattform Seedmatch beträgt das durchschnittliche Investment zum Beispiel 2.809 Euro. Das Gesetz zum Schutz von Kleinanlegern soll noch dieses Jahr umgesetzt werden, der Gesetzentwurf ist derzeit beim Bundesfinanzministerium in Bearbeitung.