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Coburg

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Vorsicht vor herrenlosen Millionen

Wer kennt sie nicht, die Angebote von Millionen, die auf herrenlosen Konten ruhen. Darauf einzugehen wäre töricht. Hier erfährst du, warum.

Für Schnellleser:

  • Dubiose Mails in holprigem Deutsch oder Englisch versprechen Millionenbeträge von angeblich herrenlosen Konten, aus Lottogewinnen oder Erbschaften.
  • Damit das Geld ausgezahlt werden kann, soll der Empfänger Verwaltungskosten vorstrecken – es kommen ja bald die Millionen.
  • Diese Mails kamen ursprünglich von nigerianischen Betrügern; der Betrugsversuch ist daher auch als „Nigeria-Connection“ bekannt.
  • Reagiere auf keinen Fall auf diese Mails, und nimm keinen Kontakt zu den Betrügern auf. Hier handelt es sich um professionelle Banden mit hohem kriminellem Potential.

„Vorausgebühren-Betrug“ nennt sich die Masche, mit der seit fast 30 Jahren Menschen mit dem Versprechen von Millionen abgezockt werden. Und obwohl die Angebote oft mehr als absurd klingen, fallen immer wieder Menschen auf den Betrug herein. Sie heißen Juan Hunga, Cole Black, Steven Erwin oder Alfred Bocovo. Sie geben sich als Rechtsanwälte, Notare, Fondsverwalter oder Bankangestellte aus. Und sie haben alle ein Problem: zu viel Geld. Viel zu viel. So viel, dass sie dir per Mail windige Geschäfte anbieten.

Volle Kassen, wirre Sprache

Juan Hunga bietet 16,5 Millionen US-Dollar, Cole Blake winkt mit rund 30 Millionen und Steven Erwin verfügt gar über sagenhafte 55,5 Millionen. Da wirken die 9 Millionen, die Alfred Bocovo zu bieten hat, fast schon ein wenig armselig.

Die frohen Botschaften lesen sich dann so:
„Meine Abteilung fand ein ruhendes Konto mit einer enormen Summe von US $55,500,000.00, die von einem verstorbenen Herrn Williams aus England vor abgelagert wurde sein Tod.“

Oder so: „Ich bin Rechtsanwalt Alfred George, der Anwalt und Testamentsvollstrecker des späten bezogen, "werden" und "Testament"; die von Nierenkrebs starb mit UN-identifizierten Familie oder Verwandten.“

Verwaiste Konten

Lässt du dich von den wirren Sätzen nicht beirren, erfährst du schnell, dass auf dem Weg zu den Millionen noch einige Hindernisse ausgeräumt werden müssen. Denn das Geld gehört leider nicht den Herren Hunga & Co., sondern es schlummert auf verwaisten oder ruhenden Konten in fernen Ländern wie dem Irak, Togo und immer wieder Nigeria. Manchmal handelt es sich auch um einen riesigen Lottogewinn, der aber noch nicht ausgezahlt werden kann.

Doch keine Sorge, man weiß Rat. Es müssen nur ein paar Formulare ausgefüllt, Anträge gestellt und notfalls auch ein, zwei korrupte Beamte bestochen werden, schon sind die herrenlosen Millionen zum Greifen nah.

Ein zweifelhafter Deal

Als Lohn für ihre Mühen schlagen Hunga & Co. euch einen Deal vor. Man kümmert sich vor Ort um die Formalitäten, zieht die Millionen an Land und behält dafür 30 oder 40 Prozent der riesigen Summen. Der Löwenanteil geht natürlich an dich. Die Details sollen dann im persönlichen Gespräch geklärt werden.

Lässt du dich darauf ein – was du auf gar keinen Fall tun solltest! –, dann werden für die Arbeit vor Ort rasch ein paar Hundert oder Tausend Euro benötigt, die du doch bitte mal eben überweisen sollst, schließlich kommt das Geld ja in Kürze gleich mehrfach zurück. Versprochen.

Vorschussbetrug

Klare Sache – die Herren Hunga, Black, Erwin und Bocovo sind ganz simple Betrüger. Sie heißen natürlich auch nicht so, und das einzige Geld, an das sie zu kommen hoffen, ist deins.

Da du bei diesen betrügerischen Angeboten einen Vorschuss leisten sollst, heißt die Masche offiziell „Vorschuss- oder Vorauszahlungsbetrug“. Inoffiziell kennt man sie unter dem Namen „Nigeria-Connection“. Denn ursprünglich betrieben vor allem nigerianische Banden diesen Betrug im großen Stil. Inzwischen hat sich die kriminelle Szene allerdings internationalisiert und du bekommst auch Angebote aus der Türkei und Asien, aber auch aus England oder den Niederlanden.

So skurril und komisch die Mails sich lesen, so haben sie doch einen sehr ernsten, ja lebensgefährlichen Hintergrund. Denn hier hast du es nicht mit eher harmlosen Trickbetrügern zu tun, sondern mit organisierten Banden, die auch vor Mord und Totschlag nicht zurückschrecken.

Gier schlägt Vernunft

Dabei scheint es immer noch und immer wieder genügend Leute zu geben, die auf diesen Betrug hereinfallen. Das betrifft nicht nur naive Mitmenschen, sondern auch erfolgreiche Geschäftsleute, die es eigentlich besser wissen sollten. Hier scheint die Aussicht auf das schnelle Geld den wirtschaftlichen Verstand auszuschalten. So überwies eine Salzburger Geschäftsfrau insgesamt rund 350.000 Euro an die „Nigeria-Connection“, ein US-Geschäftsmann machte alles in allem zwei Millionen locker und im nordrhein-westfälischen Ennigerloh ist gar das Sozialamt auf den Betrug hereingefallen. Dort überwies man einem Rentner rund 145.000 Euro nach Nigeria, damit dieser an die von den Betrügern versprochenen 30 Millionen US-Dollar gelangt. Als Gegenleistung versprach der Rentner, den größten Teil der 30 Millionen der Stadt zu spenden.

Methoden verfeinert

Kann mir nicht passieren, wirst du nun sagen – doch Vorsicht: Die Betrüger haben ihre Methoden verfeinert und schaffen es immer wieder, ihre Mails durch die Spamfilter der verschiedenen Mailanbieter zu lotsen. Auch die Maschen haben sich gewandelt, die Geschichten wirken heute lebensnäher und glaubwürdiger.

Und was machst du nun, wenn dir eine Mail, in der dir schwindelerregende Summen versprochen werden, ins Postfach plumpst? Auf gar keinen Fall darfst du darauf reagieren, die Mail beantworten oder gar gutgläubig Geld überweisen – ganz gleich, was die Betrüger versprechen. Du musst auch nicht die Polizei informieren - das, was du bekommst, bekommen auch Millionen andere Empfänger.

Im Grunde ist es ganz einfach: Du tust überhaupt nichts. Amüsiere dich ein wenig über die lustigen Formulierungen – und schmeiß die Mail anschließend weg.