MLP

Dein Browser ist veraltet. Bitte aktualisiere deinen Browser, um unser Online-Angebot optimal nutzen zu können.

browser update

Bielefeld

Inhalt

YouTuber hilft YouTuber: Auf das Verhältnis kommt es an

Viele YouTuber produzieren gemeinsam oder lassen sich helfen. Hier erfahrt ihr, worauf ihr dabei achten müsst.

Für Schnellleser:

  • Hilfe unter Freunden ist ok, sobald Geld fließt, gibt es einiges zu beachten
  • Wer jemanden beauftragt und bezahlt, gilt rechtlich als Auftrag- oder sogar Arbeitgeber
  • Verträge und Rechnungen bilden die Basis professioneller Zusammenarbeit
  • Verträge und Rechnungen müssen bestimmte formale Kriterien erfüllen
  • Sie dokumentieren Leistung und Gegenleistung und dienen als Nachweis gegenüber dem Finanzamt
  • Auch die Umsatzsteuerpflicht gilt es zu beachten
  • Dienst- und Werkvertrag sind die wichtigsten Vertragsformen zur Regelung der Zusammenarbeit

Viel braucht ein YouTuber ja nicht: Kamera, Schnittrechner, YouTube-Kanal – ach ja: und eine gute Idee und schon geht’s los. Doch wer mehr Abonnenten gewinnen und Views steigern möchte, will meist schon bald seine Produktion professionalisieren. Manche möchten sogar YouTube zu ihrem Beruf machen. Das bedeutet neben besserer Ausrüstung: Du machst nicht mehr alles allein und holst dir Unterstützung bei Kamera, Schnitt oder Produktion.

An dieser Stelle solltet ihr kurz überlegen, was das für euch und eure Helfer bedeutet: Seid ihr Freunde und erstattet euch ggf. nur die Kosten, ist alles klar. Ist dein Helfer aber ein Profi (d. h., er verdient mit seiner Tätigkeit seinen Lebensunterhalt), seid ihr schnell im Bereich wirtschaftlicher Betätigung. Das bedeutet: Wenn du jemanden beauftragst und bezahlst, wirst du automatisch Auftrag- oder gar Arbeitgeber im rechtlichen Sinn, und dann müsst ihr die Themen Steuern, Sozialversicherung und Schwarzarbeit im Blick haben (diese Themen behandeln wir in einem gesonderten Blogpost).

Plötzlich werden dann Verträge und Rechnungen wichtig: Aber keine Angst, so schlimm wird es nicht!

Wie sieht eine Rechnung aus?

Bei einmaligen oder nicht regelmäßigen Aufträgen, die ihr vergebt (bzw. annehmt), reicht eine einfache Rechnung. Das heißt: Du vergibst einen Auftrag, zum Beispiel für eine Grafik, an einen Experten und bekommst von diesem eine Rechnung. Die ist für beide Seiten wichtig, insbesondere für eure Steuererklärungen: für den Grafiker, um seine Einnahmen nachzuweisen. Du als Auftraggeber dokumentierst damit deine Produktionskosten und kannst diese dann von deinen möglichen YouTube-Einnahmen abziehen. Außerdem sind damit auch die Leistungen dokumentiert, falls es doch einmal Probleme geben sollte.

Die Rechnung muss aber ein paar formale Kriterien erfüllen, sonst akzeptiert sie das Finanzamt nicht.

Anforderungen an eine Rechnung

Eine ordentliche Rechnung enthält diese Angaben:

  • Der Auftragnehmer, also im Beispielfall der Grafiker, muss seinen Namen und die vollständige Anschrift angeben
  • Das Ausstellungsdatum muss vermerkt sein
  • Die Rechnung muss die Leistung genau beschreiben, zum Beispiel die exakten Tätigkeiten und die dafür geleisteten Stunden
  • Sie muss den genauen Rechnungsbetrag nennen, dazu die Umsatzsteuer mit Steuersatz (oder ein Hinweis, dass keine Pflicht zur Zahlung der Umsatzsteuer besteht) und dann noch mal den Gesamt-(Brutto-)Betrag. Mehr zur Umsatzsteuer später.
Bei einer Abrechnung von mehr als 150 Euro kommen noch ein paar Angaben dazu:
  • Auch der Auftraggeber, also du als YouTuber, muss mit Namen und Anschrift angegeben sein
  • Der Aussteller der Rechnung muss seine Steuernummer angeben
  • Die Rechnung muss eine fortlaufende Nummer haben
  • Die Leistung muss auch mit dem Datum versehen sein, wann sie erbracht wurde

Umsatzsteuer

Das Thema Umsatzsteuer betrifft euch, wenn mindestens eine Seite unternehmerisch unterwegs ist. Zum Beispiel der beauftragte Grafiker. Nimmt er insgesamt nicht mehr als 17.500 Euro im Jahr ein, gilt er als Kleinunternehmer und muss keine Umsatzsteuer zahlen. Ansonsten schon, aber die schlägt er auf die Rechnung drauf. Wichtiger Hinweis: Wer kein Unternehmer oder nicht umsatzsteuerpflichtig ist, darf auch keine Umsatzsteuer auf seine Rechnung schreiben. Denn dann fällt er sofort unter die Umsatzsteuerpflicht und muss die Steuer unter Umständen auch für andere Rechnungen nachbezahlen, auf denen er keine Steuer ausgewiesen hat.

Steuern absetzen

Wenn du als Auftraggeber kein Unternehmer bist, dann hast du Pech gehabt – die Steuer bleibt bei dir hängen. Stellst du aber selbst Rechnungen mit Umsatzsteuer aus, weil du unternehmerisch tätig und dazu verpflichtet bist, dann kannst du gezahlte und eingenommene Steuern miteinander verrechnen. Ans Finanzamt zahlst du nur die Differenz (oder bekommst sie erstattet). Deshalb ist es übrigens wichtig, Rechnungen, Quittungen und Belege aller Art, die mit deiner YouTube-Tätigkeit zusammenhängen, aufzubewahren. Fast überall sind Umsatzsteuerbeträge drauf, die du absetzen kannst. Dies sind nur ein paar Basis-Angaben zum Thema. Ihr solltet euch bei den Finanzbehörden noch genauer informieren, zum Beispiel über den Steuersatz (7 oder 19 Prozent), die Steueranmeldung usw. Einen ersten Einblick gibt es zum Beispiel beim Bayerischen Landesamt für Steuern – auch mit Musterrechnungen.

Besser mit Vertrag

Unter Freunden gilt das Wort, klar. Doch ab einem bestimmten Level der Arbeit regelt man Dinge besser schriftlich. Insbesondere Leistung, Abgabetermine, Rechte und Gegenleistung gehören in einen Vertrag. So sparst du dir Ärger, wenn du z.B. mit der abgelieferten Arbeit nicht zufrieden bist. Vor allem, wenn du häufiger mit externen Leuten zusammenarbeitest, ist das wichtig. Dann geht es darum, euer Verhältnis zu klären. Du erwartest als Auftraggeber Dinge, die dein Mitarbeiter oder Auftragnehmer erledigen soll. Dafür gibt es zwei unterschiedliche Vertragsformen: den Werkvertrag oder den Dienstvertrag..

Der Werkvertrag

Beim Werkvertrag verpflichtet sich der Auftragnehmer, wie der Name sagt, ein Werk zu liefern. Die Betonung liegt also auf der Sache. Es kommt aufs Ergebnis an – nicht auf Zeiten. Du als YouTuber könntest zum Beispiel von einem Autor einen Blogartikel zu deinem Video anfordern. Der Artikel wäre dann das Werk. Wenn der Autor den Artikel so liefert wie vereinbart, musst du die Leistung auch bezahlen.

Der Dienstvertrag

Beim Dienstvertrag geht es eher um die Tätigkeit. Du engagierst zum Beispiel einen freien Cutter oder Kameramann, dessen Dienste du nach Stunden abrechnest. Aufgepasst: Wenn jemand ausschließlich für euch arbeitet, wird das vom Finanzamt als Scheinselbstständigkeit gewertet, und ihr seid gezwungen, die Zusammenarbeit zu beenden oder eure Unterstützung fest anzustellen. So oder so – Verträge sollten möglichst genau beschreiben, was gefordert ist und was dafür bezahlt wird. Die Inhalte können frei vereinbart werden. Je sauberer ihr alles vorab vereinbart, desto reibungsloser verläuft die Arbeit – und euer Blick kann sich ganz auf den Erfolg des Projektes richten. Vorlagen für die verschiedenen Verträge erhaltet ihr beispielsweise bei eurer zuständigen Industrie- und Handelskammer. Hier könnt ihr euch auch weiter beraten lassen.