MLP

Dein Browser ist veraltet. Bitte aktualisiere deinen Browser, um unser Online-Angebot optimal nutzen zu können.

browser update

Berlin

Inhalt

Wie du deine Abschlussarbeit gut vermarktest

Teil 1: Selbstvermarktung

Seminararbeit, Bachelor- und Masterthesis oder gar Dissertation: Da steckt eine ganze Menge Arbeit drin. Es wäre schade, wenn sie nach Abgabe in der Schublade verstauben würde. Hier erfährst du, wie aus Bachelorarbeit & Co mehr herausspringt als nur eine gute Note.

Abschlussarbeit vermarkten

  • Bevor deine Abschlussarbeit im heimischen Regal verstaubt, mach was aus ihr.
  • Mit einer Prüfungsarbeit oder Publikation kannst du Geld verdienen, Kontakte knüpfen, eine Reputation aufbauen oder einen Job ergattern.
  • Unternehmen bezahlen dich zum Teil ganz ordentlich, wenn du deine Abschlussarbeit in ihrem Haus schreibst. Das Ganze hat allerdings Vor- und Nachteile.
  • Du kannst deine geistigen Ergüsse auch Unternehmen, Verbänden & Co zum Kauf anbieten. Das ist auch ein guter Türöffner für Jobgespräche.
  • Von Hausarbeiten bis zur Dissertation lässt sich mittlerweile alles leicht übers Internet publizieren und zum Verkauf anbieten – in Eigenregie oder über Dienstleister.
  • Reichtümer lassen sich damit aber kaum verdienen, der ein oder andere Euro schon.
  • Wenn du deine Werke gratis zur Verfügung stellst, erreichst du möglicherweise mehr Leser.
  • Wichtig: Beim Publizieren immer aufs richtige Umfeld achten, sonst versaust du dir deinen Ruf als Wissenschaftler und Experte für ein Thema. Das macht dann auch das beste Honorar nicht Wett.
  • Als Autorin oder Autor veröffentlichter wissenschaftlicher Texte kannst du Tantiemen über die VG Wort beziehen.

Mit einer Abschlussarbeit lässt sich einiges anstellen: Du kannst sie zu Geld machen, einen Arbeitsplatz damit angeln, der dir einen Ruf als Wissenschaftlerin bzw. Wissenschaftler aufbauen. Das klappt natürlich am besten mit einer stattlichen Dissertation – sie muss ohnehin veröffentlicht werden, damit du deinen Doktortitel bekommst. Aber auch „wissenschaftliche Leichtgewichte“ wie Seminararbeiten oder deine Bachelor- und Masterthesis können dir nach der Benotung noch nützlich sein.

Als Auftragsarbeit bezahlen lassen

Im Idealfall bekommst du schon von Beginn an Geld für deine Abschlussarbeit: Nämlich, indem du sie in einem Unternehmen schreibst. Im Schnitt zahlen Firmen Studierenden dafür 690 Euro monatlich, wie der Recruitingdienstleister Alma Mater 2012 in einer Studie ermittelte. Damit kommt man schon ganz gut über den Monat. Entsprechende Ausschreibungen findest du zum Beispiel in den gängigen Jobportalen wie Monster, auf den Webseiten der Unternehmen oder über deinen Prof.

Das Geld alleine sollte aber nicht den Ausschlag für deine Entscheidung geben, denn die Forschungsliaison hat Vor- und Nachteile. Auf der Pro-Seite stehen (neben dem Honorar):

Deine Arbeit hat einen hohen Praxisbezug,

du hast die Chance auf eine gute Betreuung vom Unternehmen,

kommst für die Recherche unmittelbar an Infos und Quellen heran

und empfiehlst dich für einen Job in dem Unternehmen.

Die Kehrseite der Medaille: Du bist voll auf deren Kooperation angewiesen. Zudem bearbeitest du sehr oft ein vorgegebenes Thema, das stark auf die Firma zugeschnitten ist. Damit verliert es, wenn du Pech hast, schnell an Relevanz für die Außenwelt, und es macht dir die weitere Verwertung schwerer. Grundlagenforschung, ohne kommerzielles Ziel und auf ganz neuen Pfaden, lässt sich innerhalb eines Unternehmens kaum realisieren.

Wenn du dich entschließt, deine Bachelor- oder Masterarbeit in einer Firma zu schreiben, achte also darauf, dass dein Thema auch noch für andere Unternehmen spannend ist. Im Vertrag sollten außerdem deine Aufgaben genau umrissen sein, ebenso, wie Patente und Verwertungsrechte gehandhabt werden. Kläre ab, inwieweit du deine Arbeit oder Teile daraus publizieren darfst. Nicht selten verhängen Unternehmen eine Sperrfrist, untersagen es, Interna zu veröffentlichen, oder beanspruchen alle Forschungsergebnisse für sich. Wenn es ganz blöd läuft, darf noch nicht mal dein Prof in die Arbeit schauen, um sie zu benoten. Das alles musst du im Vorfeld vertraglich festlegen, sonst brauchst du gar nicht erst über die weitere Verwendung deiner Werke nach der Fertigstellung nachzudenken.

Im Anschluss verkaufen

Hast du auf deine Abschlussarbeit eine gute Note bekommen, kannst du überlegen, den Text zu Geld zu machen.

Ob sich die Mühe lohnt, – das Aufbereiten eines Textes für die Publikation ist immer mit mehr oder weniger Arbeit verbunden – hängt nicht zuletzt vom Thema und deiner Zielgruppe ab. Wer die Bedeutung des Schnallenschuhs im 13. Jahrhundert untersucht hat, wird eher „nur“ die wissenschaftliche Community erreichen können. Hast du dagegen zu einem aktuellen Thema wie etwa Industrie 4.0 geschrieben, ist deine Arbeit auch für die Wirtschaft interessant.

Diese Überlegung soll dich in keinem Fall von einem für dich spannenden Orchideen-Thema abhalten, hilft aber realistisch zu bleiben und die richtige Form der Verwertung zu finden. In jedem Fall muss die Qualität deiner Arbeit stimmen und dem Leser einen Nutzen bieten. Deshalb sind Doktor- und Masterarbeiten besser zu vermarkten als Semester- oder Bachelorarbeiten, die naturgemäß eher Bekanntes aufbereiten als neue Ansätze und Sichtweisen liefern. Was aber nicht heißt, dass es keinen Versuch wert ist, Abnehmer auch für „einfache“, aber praxisrelevante Hausarbeiten zu suchen. Du kannst auch deinen Prof oder Betreuer nach seinen Erfahrungen rund ums Publizieren fragen.

Bevor du dich ans Verwerten deiner Arbeit machst, musst du sicher sein, dass du für alle Bestandteile das Urheberrecht besitzt – oder dir die Freigabe besorgen. Das gilt vor allem auch für Inhalte Dritter, etwa für Grafiken, Videos, Bilder oder Interviews, die du benutzt hast. Hast du die Arbeit zusammen mit einem Unternehmen verfasst, dann brauchst du dessen schriftliches Einverständnis. Möglicherweise musst du wegen Geheimhaltungspflichten oder -fristen Passagen rausnehmen.

Zudem wichtig: Bei jeder Publikation musst du ein Auge auf deine eigenen Urheberrechte haben und sie sichern. Sonst verwertet jemand deine Erkenntnisse ungefragt und unkontrolliert einfach weiter. Infos und Muster zu Lizenzverträgen findest du zum Beispiel bei Creative Commons oder bei Digital Peer Publishing .

Willst du deine bisherigen Arbeitsergebnisse zu einer Masterthesis oder einer Dissertation ausbauen, kläre unbedingt im Vorfeld mit deiner Hochschule, ob und was du aus den alten Schriften veröffentlichen darfst, wenn sie auch noch in die neuen Arbeiten einfließen sollen. Wäre blöd, wenn du Teile deiner bisherigen Forschung später nicht in der Dissertation verwenden dürftest, nur weil du sie zum Beispiel schon als eBook herausgebracht hast.

Bei der Wirtschaft anklingeln

Die direkteste Art, eine wissenschaftliche Arbeit an den Mann zu bringen, ist, sie den Unternehmen direkt anzubieten. Überleg dir, für wen deine Forschung wirklich (!) nützlich sein könnte, erstelle ein Abstract deiner Arbeit und stelle es der in Frage kommenden Fachabteilung mit ein paar Worten vor. Alternativ oder zusätzlich zum Kauf des PDF kannst du ihnen zum Beispiel einen (kostenpflichtigen) Vortrag über die Ergebnisse anbieten. Hast du Kontakte zu einem beruflichen Netzwerk oder Branchenverband, kannst du auch dort mal anklopfen.

Welchen Preis du für dein Werk aufrufen kannst, lässt sich pauschal nicht sagen. Das hängt stark von der Qualität, der Innovationskraft und der Relevanz für die Unternehmenspraxis ab. Schau dich im Markt ein bisschen um, was für vergleichbare Publikationen verlangt wird.

Selbst wenn die Unternehmen kein Interesse an deiner Abschlussarbeit haben, so dient sie zumindest als Türöffner und Aufhänger für ein Gespräch. Du präsentierst dich als Fachfrau-/mann für ein Thema, und vielleicht mündet das ganze früher oder später in einem guten Kontakt und einem Jobangebot.

Alternativ oder zusätzlich zu deinem Werbefeldzug durch die Unternehmen kannst du deine Abschlussarbeit komplett oder in Teilen auch als Buch, eBook oder Aufsatz veröffentlichen.

Grundsätzlich lässt sich das Veröffentlichen und Vermarkten komplett in Eigenregie bewerkstelligen. Es gibt diverse Online-Tools wie etwa Calibre , mit denen du dein eBook kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr editieren kannst. Auch in kleiner Auflage drucken zu lassen, ist mittlerweile erschwinglich. Um der Welt dann die Existenz deines Werkes kundzutun, kannst du deine eigene Webseite, deine sozialen Netzwerke oder ein Blog nutzen. Du kannst eine Pressemitteilung inklusive Coverfoto verfassen und auf kostenlosen Presseportalen einstellen, Kurzfassungen deiner Arbeit in Fachforen und Fachmedien posten oder im Vorfeld von Fachmessen anfragen, ob und wie man dort Infos auslegen oder vorstellen kann.

Der Vorteil des Do-it-Yourself: Du hast Kosten, Preise, Urheberrechte & Co selbst im Griff, übst dich in Selbstvermarktung und kannst es einfach mal in kleinem Rahmen austesten.

Der Haken: Bis deine wissenschaftlichen Ergüsse so auch von der breiten Masse gefunden werden, musst du viel Zeit, Energie und Fantasie investieren.